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Paul ScheerbartPaul Scheerbart
von Paul Scheerbart

Herr Kammerdiener Kneetschke

Eine Kammerdiener— Tragödie in fünf Aufzügen

Uraufführung: 1. Dezember 1905, Saal der »Gesellschaft der Freunde« Berlin, Potsdamer Straße 9

 


Motto: Üb immer Treu und Redlichkeit!

 


Personen:

 

Fürst Wladimir Zabórrek, ein Bräutigam
Graf Hellmuth Patzig, ein Schwiegerpapa
Gräfin Meta Patzig, eine Schwiegermama
Gräfin Kathi Patzig, eine jugendliche Braut
Großvater Patzig, ein Geist mit weißem Vollbart
Kneetschke, ein herrschaftlicher Kammerdiener
Ein Postbote in Kürassier— Uniform
Verwandte des Brautpaares (Onkel, Tanten, Basen etc.)
und ganz gewöhnliche Domestiken, die nichts zu sagen haben.

Die Handlung spielt in der nächsten Zukunft auf den Brettern der »blauen« Bühne.

 


Vorwort zur Blauen Bühne

Zur Herstellung der blauen Bühne sind erforderlich: drei höhere Wandschirme, die mit Tuch oder Papier von preußischblauer Farbe überzogen sind. Zwei dieser Wandschirme werden rechts und links rechtwinklig zur Lampenreihe aufgestellt, der dritte Wandschirm bildet rechtwinklig zu den beiden anderen den Hintergrund —  doch so, daß hinten rechts und links in der Seitenwand ein meterbreiter Durchgang bleibt. Die Kostüme sind mit Ausnahme des Postboten und des Großvaters im Hofgeschmacke des achtzehnten Jahrhunderts zu halten —  doch mit Freiheit und mit Vermeidung der blauen Farbe —  nur die Zopfperrücke muß hellblau sein. Den Vorhang bilden zwei hellblaue Gardinen, die in den ersten Aufzügen von zwei Kavalieren des achtzehnten Jahrhunderts mit weißen Zopfperrücken feierlich und graziös mit Degensalut und ähnlichen Scherzen auseinander und auch zuzuziehen sind.


Erster Aufzug

(Vor der Mitte jeder Wand steht ein Stuhl.)

Kneetschke: Ah, sieh da! Der Postbote! Na? Immer noch die Hand am Schwert?

Postbote: Zu Befehl! Wohnt hier Herr Knutschke?

Kneetschke: Nein, mein Lieber! Der Herr wohnt hier nicht.

Postbote: Ach so! Wollte sagen: Knietschke! Wohnt hier Herr Knietschke?

Kneetschke: Nein, mein Lieber. Der Herr wohnt auch nicht in diesem Palaste.

Postbote: (holt seine Brille vor und liest die Adresse einer Postkarte ganz genau) Natürlich! Das heißt Kneetschke! Wohnt der Herr Kneetschke vielleicht hier?

Kneetschke: Herr Kneetschke bin ich selbst.

Postbote: Hier ist eine Postkarte für Euer Gnaden.

Kneetschke: Wie? Für mich? Das wagen Sie?

Postbote: Ja, was ist denn dabei?

Kneetschke: Mein Lieber, ich bin wohl gewöhnt, eingeschriebene Briefe in Empfang zu nehmen, gelegentlich nehme ich auch einfache Briefe an, wenn ich von ihrem Inhalt vorher in Kenntnis gesetzt wurde —  aber offene Postkarten, mein Lieber, sind für mich nicht da. Gehen Sie fort! (ab nach links.)

Postbote: Das muß ja ein sehr vornehmer Herr sein. Na —  ich lege die Karte in die Mitte des Palastes (er tuts und geht säbelrasselnd hinten rechts ab).

(Gräfin Kathi Patzig kommt mit zwei weiblichen Domestiken von hinten links auf die Bühne. Die Drei haben große Strohhüte auf dem Kopfe und Sonnenschirme in der Hand, die im Folgenden zugemacht werden.)

Kathi: Ach, wenn der Frühling kommt, dann ist Europa so schön —  so sehr sehr schön. Und ich liebe die Schönheit.

Die beiden Domestiken: (die Postkarte auf dem Fußboden erblickend) Ah!

Kathi: Na?

Die beiden Domestiken: (Auf die Karte mit dem Sonnenschirm weisend) Da!

Kathi: Ja! Holt sofort meinen Papa und meinen —  Wladimir. (Die beiden Domestiken hinten rechts und links ab.) Haha! Hinter der Karte steckt ein Geheimnis! Schnell! (sie hebt die Karte auf und liest:) Herrn Kneetschke hier. Viktoria— Straße 17. Mein lieber Kneetschke! Sie sind der größte Esel von ganz Europa! Und es imponiert mir, daß sie all die vielen andern Esel Europas so überragen. Mit Ihnen ist ein Geschäft zu machen. Ich besitze eine Menagerie lebendiger Monstrositäten —  darf ich Sie für diese Menagerie als Riesenesel engagieren? Sie erhalten monatlich tausend Mark Gage und freies Futter. Ich bin Ihr Freund Michel Männlich.

(Kathi ringt die Hände und verbirgt die Karte in ihrem Sonnenschirm, während hinten rechts der Papa und links der Wladimir erscheinen.)

Papa und Wladimir: (zu gleicher Zeit sehr laut) Kathi!

Kathi: (läßt vor Schreck den Sonnenschirm fallen) Wladimir!

Wladimir: (fängt die Kathi in seinen Armen auf) Was fehlt Dir? Was hast Du da in den Sonnenschirm gesteckt?

Kathi: Es ist ein Geheimnis.

Papa: (die Karte aus dem Sonnenschirm hervorziehend) Da werden wir gleich dahinterkommen.

Wladimir: Setze Dich nur, mein liebes Bräutchen. (führt sie zum hinteren Wandstuhl, auf dem sie sich langsam niederläßt.)

Papa: Das ist eine Gemeinheit! Der arme Kneetschke!

Wladimir: (eilt auf den Papa zu, nimmt ihm die Karte aus der Hand, liest und lacht —  und lacht so heftig, daß er sich auf den linken Wandstuhl setzen muß. Der Papa setzt sich auf den rechten.)

Papa: (ernst) Kathi, hol den Kneetschke her!

Wladimir: (nachdem die Kathi fortgegangen ist) Lieber Papa, Sie wollen doch nicht jetzt mit dem Kneetschke über diese Karte sprechen, nicht wahr?

Papa: Nein, ich will mit ihm nur über die Verlobungskarten sprechen.

Wladimir: Schön! und diese Postkarte überlassen Sie mir, nicht wahr?

Papa: Jawohl! Lach bloß nicht so viel, mir ist bei allen unsern Geldsorgen durchaus nicht lächerlich zu Mute.

Wladimir: Mir eigentlich auch nicht.

Papa: Hm (Kneetschke kommt von links und verbeugt sich feierlich —  erst vor dem Grafen und dann vor dem Fürsten.) Kneetschke die Verlobungskarten sollen gedruckt werden —  und zwar auf neuen Hundertmarkscheinen mit Goldlettern: Kathi Patzig und Wladimir Zabórrek Brautpaar. Weiter nichts. Besorgen Sie das.

Kneetschke: Gnädigster Herr Graf, Ihr seliger Herr Großpapa ließ Verlobungskarten stets auf Tausendmarkscheinen drucken. Davon dürfen wir nicht abgehen.

Wladimir: Ach! Das wird schön.

Papa: Mein lieber Kneetschke! Wir haben fünf hundert Verlobungsanzeigen zu versenden —  so viel Tausendmarkscheine hab ich nicht.

Kneetschke: Dann dürfte eben die Verlobung nicht stattfinden.

Wladimir: Kneetschke! Sie sind wohl verrückt geworden!

Kneetschke: Durchlaucht! Mir geht die Ehre der Familie Patzig über Alles —  sie ist mir auch mehr wert als mein bißchen Verstand.

Wladimir: (springt auf und gibt dem Kneetschke die bewußte Postkarte) Da les' Er mal das!

Kneetschke: (liest und taumelt langsam rückwärts —  bis er auf den hinteren Wandstuhl fällt) Oh! Oh! Oh!

Wladimir: (setzt sich wieder auf den linken Wandstuhl und lächelt)

Papa: So! So! So!

(Mit einem Ruck erheben sich dann alle Drei und stehen steif da —  Kneetschke hebt seine beiden Fäuste hoch zum Himmel empor, Wladimir faltet über seinem Haupte seine Hände —  und der Papa spreizt die zehn Finger seiner beiden Hände weit und ausdrucksvoll auseinander.)

Gardine!


Zweiter Aufzug

(Jetzt stehen zwei Stühle vor jeder Wand. In der Mitte jeder Wand hängt ein ovales Familienbild.)

Kneetschke: Gnädigste Gräfin Kathi! ich beschwöre Sie —  schieben Sie die Verlobung auf! Ein Fürst, der seine Verlobungsanzeigen nicht einmal auf Tausendmarkscheinen drucken lassen kann, ist es nicht wert, von einer geborenen Patzig geliebt zu werden.

Kathi: Kneetschke, Sie machen mich unglücklich!

Kneetschke: Lassen Sie nur, das vergeht wieder.

Kathi: (mit dem Fuße aufstampfend) Wenn Sie lieber vergehen möchten!

Mama: (von links mit wallenden Locken) Aber Kathi! Kathi! Wie kannst Du nur den Fußboden so behandeln?

Kneetschke: Komtesse ist verliebt.

Mama: Schweigen Sie, Kneetschke!

Papa: (von rechts im Dreispitz) Was ist denn hier los? Gibts auch hier einen Aufruhr? Sind denn die Rebellen überall?

Kathi: Ach Papa! Dieser verrückte Kneetschke will mich bereden —  ach —  meinem Wladimir untreu zu werden (weint schluchzend mit'm Taschentuch.)

Mama: (kreischend) Was? Will dieser Kneetschke Dich heiraten? Sollst Du Frau Kneetschke werden?

Papa: Aber Gemahlin! Werde doch nicht lächerlich. So ists doch nicht gemeint. Kneetschke holen Sie den Fürsten!

(Kneetschke ab.)

Kathi: Papa das sage ich Dir jetzt in allem Ernste: ich bleibe meinem Wladimir treu und wenn die ganze Welt in Stücke gehen sollte.

Papa: Kinder, beruhigt Euch bloß! (er legt seinen Dreispitz auf den vorderen Stuhl rechts.)

Mama: Da soll ja der Teufel ruhig bleiben! Wer kann denn das aushalten? Ich habe mir die größte Mühe gegeben, die Verlobung endlich zu Stande zu bringen —  und jetzt soll mir ein Kammerdiener alle meine feinen Netze zerreißen?

Papa: Meta, beruhige Dich bloß!

Kathi: Das ist ja herzzerreißend.

Papa: Kinder, beruhigt Euch bloß!

Wladimir: (auch im Dreispitz) Ja, Kinder, beruhigt Euch bloß! Die Rebellen haben sich auch beruhigt —  und Euer Kneetschke wird auch beruhigt werden. (er legt den Dreispitz auf den vorderen Stuhl links.)

Papa: Wladimir, nimm nur erst Platz! Bitte, neben Deinem Dreispitz! Ich tus auch! Frauenzimmer, setzt Euch da hinten hin und seid mal ein bischen still. (alle Vier setzen sich.)

Mama: Ach, Wladimir, ich bin so unglücklich.

Kathi: Ach, Wladimir, ich bleibe Dir treu —  wie es auch kommen mag —  es ist mir Alles ganz egal.

Mama: Mein mutiges Kind!

Papa: Nun seid doch endlich mal still und laßt den Wladimir mal reden.

Wladimir: Die Sache ist doch so einfach: Wir lassen, um Euern Kneetschke zu beruhigen —  damit er nicht Radau schlägt —  einfach falsche Tausendmarkscheine anfertigen. Da diese mit der Anzeige bedruckt werden —  und damit ist doch jede Gefahr ausgeschlossen.

Kathi: Na natürlich! Oh, wie einfach!

Mama: Wladimir, Du bist ein Genie!

Papa: Die Sache ist tatsächlich vom juristischen Standpunkte aus unantastbar. Die falschen Tausendmarkscheine können von uns zu Verlobungszwecken wohl gebraucht werden.

Kathi: Aber Kneetschke darf davon nichts erfahren. Pst!

Wladimir: (leise) Selbstverständlich! Zum Danke für meine gute Idee müßt Ihr jetzt auch ein bißchen Menuett mit mir tanzen.

Kathi: (leise) Mit Wonne.

Mama: (ganz leise) Aber wir haben ja keine Musik!

Papa: (auch ganz leise) Das ist ja gerade das Beruhigende an diesem Menuett.

(Die Vier tanzen Menuett ganz leise ohne Musik. Und die Gardinen werden vorsichtig ganz leise zugezogen.)


Dritter Aufzug

(Keine Stühle —  oben an den Wandschirmen Tannengirlanden mit großen roten und gelben Papierblumen. Weibliche und männliche Domestiken gehen und laufen über die Bühne mit Schüsseln, Tellern, Flaschen, Blumen, Kuchen und Körben. Einzelne Domestiken flüstern sich vorne was ins Ohr —  eilen aber bald wieder weg. Aus den Hinterzimmern hört man Gläserklirren und Hochrufen. Währenddem erscheint Kneetschke und schreitet nachdenkend, die Hand am Kinn, durch die Domestiken hindurch. Und dann erscheint, während die gewöhnlichen Domestiken verschwinden, das glückliche Brautpaar, ohne den Kneetschke, der vorne rechts stehen bleibt, zu bemerken.)

Wladimir: Willst Du sehen, wie die Tausendmarkscheine leuchten? (er holt ein paar Scheine aus der Brusttasche hervor und schwenkt sie in der Luft und erblickt dabei den Kneetschke.)

Kneetschke: Durchlaucht wollen entschuldigen, daß ich mich nicht früher bemerkbar machte —  aber ich dachte grade über das Leben nach —  ich bin ein ehrbarer Mann und kann mir dieses Nachdenken nicht abgewöhnen, da es doch so viele Dinge gibt, die sich mit der Ehrbarkeit eines festen Charakters nicht vertragen.

Wladimir: Kneetschke! Sind Sie Professor geworden?

Kneetschke: Durchlaucht! Ich bleibe, was ich bin —  bloß ein ehrbarer Mann —  und ein fester Charakter.

Kathi: Und Sie bleiben dafür auch ein langweiliger Peter; bleiben Sie da stehen —  wir gehen. (mit Wladimir scherzend hinten rechts ab)

Kneetschke: Ob das noch eine echte Patzig ist? Ich fürchte dieser Wind— Fürst, der mit seinen Tausendmarkscheinen so viel Wind machte, hat diese Patzig demoralisiert. Hm! Wie kann man nur mit so kostbaren Scheinen, die außerdem noch zu Verlobungszwecken verwendet werden sollen, so viel Wind machen? Wie kann man nur? Hm! Hm! (Papa und Mama kommen)

Papa: Ich fürchte, daß das Unglück nicht fern ist.

Mama: Ach! Wie hab ich mich erschrocken! Da steht ja der Kneetschke!

Kneetschke: Bitte um Verzeihung, Euer Gnaden! Ich gehe schon!

Papa: Bleiben Sie stehen. Haben Sie die Hundertmarkscheine zum Drucker getragen?

Kneetschke: Euer Gnaden mögen vergeben —  aber ich habe die Scheine nie bekommen.

Mama: Aber Hellmuth! Jetzt sprichst Du wieder von Hundertmarkscheinen? Was soll der Kneetschke bloß davon denken? Wladimir hat doch schon die Tausendmarkscheine —  besorgt.

Kneetschke: Ah! Der Fürst Wladimir Zabórrek hat die fünfhundert Tausendmarkscheine besorgt? Ja —  dann darf er sich mit ihnen auch Wind zufächeln —  das ist etwas Andres.

Papa: Was heißt das, Kneetschke?

Kneetschke: Durchlaucht waren vorhin hier und taten, wie ich sagte. Ich habs mit meinen eigenen Augen gesehen, als ich grade übers Leben nachdachte.

Brautpaar: (hinten links) Mama! Mama!

Mama: Ich komme ja schon! Was wollt Ihr denn von Mama? (hinten links ab)

Kneetschke: (erschreckend) Ah!

(Hinten rechts erscheint der Geist des Großvaters Patzig in langem Barte, geht langsam an der hintern Wand entlang und bleibt in der Mitte derselben stehen. Papa und Kneetschke taumeln nach rechts und links an die Seitenwände.)

Geist: Kneetschke! Behüten Sie die Ehre der Familie Patzig.

(Der Geist geht langsam weiter und verschwindet hinten links, und Kneetschke fällt auf die Erde, während der Papa die Hände vors Gesicht schlägt. Die Gardinen ziehen sich von selber zu.)

 


Vierter Aufzug

(Jede Wand ohne Girlanden mit verschiedenen symmetrisch aufgehängten Familienbildern —  hinten Sopha, Sophatisch, Fauteuils auf einem Teppich. Vorne rechts und links Tische, Schränkchen oder ähnliches. Der Postbote und der Kneetschke.)

Postbote: Ja —  wissen Herr Kneetschke schon, wer die Postkarte mit dem Esel geschrieben hat?

Kneetschke: Wer hat das getan?

Postbote: Werden Sie mich nicht verraten ?

Kneetschke: Nein! (gibt ihm einige Banknoten)

Postbote: Ich danke, mein Herr! Fürst Wladimir Zabórrek schrieb die Karte mit dem Esel.

Kneetschke: Ih!

Postbote: Ja!

Kneetschke: Eh!

Postbote: Adieh!

(Domestiken eilen durchs Zimmer und flüstern dem Kneetschke was ins Ohr. Ein Onkel und eine Tante der Patzigs erscheinen alsdann.)

Onkel: (setzt sich aufs Sopha) Kneetschke, Sie sind ein alter treuer Diener des Hauses Patzig.

Tante: (setzt sich auch aufs Sopha) Kneetschke, wir haben Ihnen deshalb eine Mitteilung zu machen.

Kneetschke: Euer Gnaden sein zu gütig.

Tante: Ja, das sind wir.

Onkel: Die Tausendmarkscheine, auf denen die Verlobungsanzeigen gedruckt worden sind — 

Tante: sind — 

Onkel: sind — 

Kneetschke: sind?

Onkel: sind gefälscht.

Kneetschke: (sich krümmend) Oh! Oh! Ach, Du meine Güte! Hat mirs doch geahnt: Hat mirs doch geahnt! (er rennt umher in gekrümmter Haltung und bricht dann weinend auf einem Fauteuil zusammen)

Kathi: Guten Tag, lieber Onkel! Guten Tag, liebe Tante! Wie werden sich die Eltern freuen, Euch wiederzusehen! Gleich will ich die Mama suchen gehen. Ich komme sofort wieder. Kneetschke, suchen Sie den Papa. Schnell! Schnell! (ab links)

Kneetschke: (aufgestanden in straffer Haltung) Ich werde den Herrn Grafen aufsuchen (auch ab —  rechts)

Onkel: Der arme Kneetschke!

Tante: Die armen Patzigs!

Onkel: So sich blamieren!

Tante: Das beklagenswerte Brautpaar!

Onkel: (nimmt eine Prise Schnupftabak) Diese Falschmünzer! (niest)

Tante: Siehst Du? Das mußt Du beniesen.

Onkel: Das kam vom Priesen. (niest wieder)

Kneetschke: Der Herr Graf wird gleich kommen. Ich aber weiß, was hier zu tun ist.

Tante: Nun?

Kneetschke: Die Familie Patzig muß ihre Schuld —  sühnen.

Onkel: Wie?

Kneetschke: Dadurch, daß sämtliche Angehörige der Familie —  mit Ausnahme des Fürsten Zabórrek, der ja Gott sei Dank noch nicht zur Familie gehört, ihrem Leben — 

Tante: Um Himmelswillen!

Onkel: Kneetschke!

Kneetschke: Ihrem Leben, sagte ich, mit Gewalt — 

Tante: Kneetschke, nicht mit Gewalt!

Kneetschke: Gut —  also sagen wir durch —  Selbstmord — 

Tante: Die Ärmsten! (weint mit Taschentuch. Der Onkel zieht auch sein Taschentuch des Schnupftabaks wegen)

Kneetschke: (mit fester, feierlicher Stimme) durch Selbstmord ein Ende bereiten.

Onkel: Das ist ja furchtbar!

Tante: Entsetzlich! (Alle Drei wischen sich die Augen, Kneetschke steht wieder im dritten Aufzuge von rechts.)

(Von der rechten Seite hinten erscheint Papa Patzig, von der linken Seite Mama Patzig —  beide ziehen auch ihre Taschentücher vor —  Onkel und Tante erheben sich. Eine peinliche Pause entsteht. Die beiden Gardinen werden jetzt eiligst hintereinander von einem der beiden Kavaliere zugezogen.)


Fünfter Aufzug

(Das Zimmer des vierten Aufzuges wird aufgeräumt. Die Fauteuils stehen in Unordnung an den Seiten, der Teppich ist aufgeschlagen, und Eimer, Besen, Schrubber, Schaufeln und Bürsten liegen überall herum. Weibliche und männliche Domestiken bürsten, fegen und putzen mit Eifer. Von rechts kommt Fürst Wladimir und Kneetschke in größter Wut auf die blaue Bühne.)

Wladimir: Das ist ja unerhört!

Kneetschke: Die Ehre der Familie Patzig geht mir über Alles.

Wladimir: Kneetschke, das ist eine Frechheit!

Kneetschke: Frechheit und Ehre sind zwei ganz verschiedene Begriffe.

Wladimir: Kneetschke, Sie sollten Rebellengeneral werden.

Kneetschke: Das wird nie geschehen!

Wladimir: Es wäre aber im Interesse aller Familien, die mit den Patzigs verwandt sind, sehr erwünscht.

Kneetschke: Warum?

Wladimir: Weils immer gut ist, wenn der größte Esel —  unsere Feinde —  anführt.

Kneetschke: Mich werden Sie niemals anführen, Durchlaucht! Ich bin ein ehrenfester Mann.

Wladimir: Sie sind der größte Esel von ganz Europa.

Kneetschke: Immer noch besser als ein Falschmünzer —  und auch besser als diejenigen, die anonyme Karten schreiben.

Wladimir: Kneetschke, ich erwürge Dich, Du Hund.

Kathi: (von links) Wladimir! Wladimir! Lade bloß keinen Mord auf Dein Gewissen.

Wladimir: Kathi! (dreht sich rasch um und küßt sie)

Kathi: Übrigens, Kneetschke! Ich will Ihnen was sagen: nicht Wladimir hat die Karte mit dem Esel geschrieben —  ich wars.

Kneetschke: Ha! Das ist was Andres! Also eine echte Patzig hat sich herabgelassen, einem Kammerdiener —  eine —  offene —  Postkarte —  zu —  schreiben.

Kathi: Jawollja! Und jetzt denkt der Kammerdiener, eine echte Patzig wird sich seinetwegen das Leben nehmen. Zum Schießen!

Wladimir: Zum Totschießen! (Beide lachen. Kneetschke zieht sein Taschentuch)

Kneetschke: O Schmach! O Schande! (Die reinmachenden Domestiken verschwinden nach und nach —  nehmen aber nur Schrubber und Besen mit. Der Papa und die Mama kommen.)

Papa: Welch ein Lärm ist das hier wieder!

Mama: Dieser Kneetschke!

Kathi: Mama, ich soll mich durchaus totschießen!

Mama: Aber Kind, benimm Dich doch anständig.

Papa: Kneetschke, ich muß Ihnen jetzt in allem Ernste verbieten, diese Tausendmarkscheinaffäre auch noch fernerhin aufzubauschen.

Wladimir: Die Geschichte ist ja einfach lächerlich.

Papa: Selbstverständlich! Die Banknoten sind ja nicht für den öffentlichen Verkehr bestimmt. Ich habe mit meinem Rechtsanwalt darüber gesprochen —  und der Mann bekam einen Lachkrampf.

Kathi: Der Ärmste!

Mama: Ist er schon außer Gefahr?

Papa: Er liegt noch zu Bett

Wladimir: Kneetschke sollte sich auch zu Bett legen —  das wäre das Vernünftigste.

Kneetschke: Sie haben beinahe Recht, Durchlaucht! Aber ich brauche ein sehr großes Bett.

Wladimir: Was wollen Sie damit sagen?

Kneetschke: Die große Erde, auf der ich so lange lebte —  die soll mein Bett sein.

Mama: Nehm Er sich die Sache doch nicht so zu Herzen.

Kathi: Die Geschichte ist ja lächerlich.

Kneetschke: Wohl mag heutzutage die Ehrlichkeit eine lächerliche Sache geworden sein. Aber ich kann da nicht mehr mit. Der Betrug der Familie Patzig will doch —  eine Sühne haben.

Papa: Donnerwetter, Kneetschke! jetzt mach Er, daß Er fortkommt!

Kneetschke: Ja, das will ich! Und vielleicht ist mein Fortgang eine Sühne für die Schandtaten der Familie Patzig.

Wladimir: Verfluchter Hund! (will den Kneetschke schlagen, Kathi fällt ihm aber in den Arm)

Kneetschke: Europa, lebe wohl! (er stößt sich einen langen Dolch ins Herz und fällt zu Boden.)

(Die Mama und Kathi fallen in Ohnmacht, die beiden Männer wissen nicht, um wen sie sich zuerst bemühen sollen. Während dann Wladimir dem Kneetschke den Dolch aus der Wunde zieht, erscheint links der Geist des Großvaters Patzig mit einem Lorbeerkranz in der Hand, legt diesen auf das Haupt des Sterbenden und geht langsam rechts ab, während Wladimir und der Papa starr vor Entsetzen mit offenem Munde dem Gespenste nachstarren und die Frauen langsam aus ihrer Ohnmacht erwachen, ohne die Szene zu begreifen. Weibliche Domestiken ziehen vorne mit Hilfe von Schrubbern und Besen die Gardine zu, vor der langsam ein Tausendmarkschein aus der Höhe herunterfällt.)


Kometentanz

Astrale Pantomime in zwei Aufzügen

 


Personen:

 

Drei große Kometen.
Sieben kleinere Sterne.
Der Vollmond.
Der König.
Erste Gemahlin des Königs.
Zweite Gemahlin des Königs.
Begeisterte Zofe.
Scharfrichter.
Lustige Person.
Der Zauberer.
Der Dichter.
Wandelsterne.
Haremsfrauen.
Henkersknechte.
Spielleute.
Hofleute.
Dienstpersonal.

 

Erster Aufzug

Die Nachtigallen

Viele Vogelstimmen —  besonders Nachtigallen —  sind zu hören —  erst leiser —  und dann immer lauter und heftiger.

Währenddem geht der Vorhang langsam in die Höhe, und ein Nachthimmel mit unzähligen flimmernden Sternen ist zu sehen. Zu beiden Seiten der Bühne werden allmählich hohe Rosenhecken, Myrthen—  und Oleandergebüsche sichtbar. Der weiße, unregelmäßig mit schwarzen zackigen Sternen übersäte Fliesenboden geht weit in den Hintergrund hinein und wird langsam immer heller.

Rechts liegt auf einer Marmorbank der Dichter mit einer Guitarre im Arme. Der Dichter hat einen blonden wohlgepflegten Spitzbart, aber seine Kleider sind braun und grau und sehr vernachlässigt. Er sieht die Coulissen an und schüttelt den Kopf, sieht das Publikum an und erschrickt —  es ist ein sehr junger recht leichtsinniger Dichter.

Eine Sternschnuppe zieht langsam schräg durch den Himmel.

Der Dichter erhebt sich hastig.

Die Gegend ist ziemlich dunkel, nur die weißen Fliesen leuchten, sodaß die schwarzen zackigen Sterne recht deutlich aus dem Fliesenboden heraustreten. Leise Sphärenmusik ertönt. Die Nachtigallen sind immer noch zu hören, doch die Vögel sind nicht mehr so laut wie am Anfange. Der Dichter setzt sich wieder auf die Marmorbank und begleitet die Sphärenmusik mit Guitarrenklängen. Eine zweite und dritte Sternschnuppe durchzieht den Himmel. Die Nachtigallen verstummen.

Die Sphärenmusik springt plötzlich in ein hastiges wirbelndes Tempo hinein, klingt aber dabei immer leiser —  immer leiser.

 
Die lustige Person kommt

Auf den Zehen schleicht vorsichtig die lustige Person zur Marmorbank, erschrickt beim Anblick des Dichters und deutet mit dem Zeigefinger am Munde an, daß man still sein müsse. Die Nachtigallen schlagen wie aus weiter Ferne.

Die lustige Person ist nicht mehr jung und glatt rasiert und natürlich ein Mann, ihre Kleider sind bunt und karriert und eng anliegend. Das Gesicht der lustigen Person zuckt so, als wenn's immerzu lachen möchte —  und sich's verkneifen soll.

Der Dichter hängt seine Guitarre über den Rücken, und die lustige Person nimmt auf der Marmorbank neben dem Dichter Platz. Beide starren schweigend in den Weltraum, in dem die Sterne funkeln, zwischen denen jetzt mehrere hellblaue grüne und rote Meteore langsam wie Schneeflocken durchrieseln. Die Sphärenmusik ist ruhiger und gleichzeitig reicher und stärker geworden.

Diener mit hohen milchweißen Stocklaternen in Oktaëderform, die alles hell machen, bringen eine Menge astronomischer und astrologischer Geräte herbei —  Quadranten, Astrolabien, ein großes Fernrohr und einen anderthalb Meter hohen schwarzen Himmelsglobus, auf dem die Sterne durch Brillanten markiert sind. Der Globus wird in die Mitte der Bühne gestellt.

Die Diener tragen sämtlich weiße Mützen in fünfeckiger Zackensternform, ihre Kleider sind faltenreich und breit gestreift in einfachen Farben.

Die astronomischen und astrologischen Instrumente werden rechts und links vor den Gebüschen aufgestellt.

Die Instrumente glänzen, und der Globus glänzt auch.

 
Das Grimassen— Intermezzo

Die lustige Person streichelt und küßt die Instrumente und breitet vor ihnen mit lächerlicher Verzückung die Arme aus. Vor dem Globus fällt sie auf beide Kniee und faltet die Hände. Die Diener krümmen sich vor Lachen, aber es kommt kein Ton über ihre Lippen; sie verzerren das Gesicht zu fürchterlichen Grimassen.

Durch die Sphärenmusik geht ein dumpfes Grollen.

Die begeisterte Zofe erscheint im Hintergrunde.

Und was die lustige Person, die vor dem Globus auf den Knieen liegen bleibt, zum Spotte tat, tut jetzt die Zofe mit rührender, aber komisch wirkender Andacht. Dabei hat sie einen langen Staubwedel aus grünen Federn als Abzeichen ihrer Zofenwürde in der Hand. Sie bedient sich nebenbei des Staubwedels zur Säuberung der Instrumente.

Die Diener in hockender Stellung schneiden noch mehr Grimassen, die Zofe springt schließlich, nachdem sie allen Instrumenten ihre Verehrung bezeichnet hat, mit Hilfe von zwei Dienern auf den Globus und dreht sich dort in seliger Verzückung um sich selbst und greift mit den Händen immerzu nach oben, als wollte sie die Sterne des Himmels zu sich herunter ziehen.

Die Zofe trägt ein hellblaues bis zum Knie reichendes Kleid, das ganz mit silberblanken Mondsicheln bedeckt ist. Auf den Schultern trägt sie zwei silberblanke Vollmonde wie Epaulettes.

Mondsicheln wie Vollmonde sind kleine Gesichtsmasken. Als Kopfbedeckung trägt die Zofe eine weiße Federkrone; die Federn schwanken hin und her. Zwei silberblanke scheibenartige Halbmonde —  ebenfalls mit Gesichtsmaske —  bilden auf dem Rücken der Zofe zwei Flügel, die mit der krummen Linie am Körper haften.

Ein Diener springt plötzlich mit erhobenen Armen aus dem Gebüsch und klatscht in die Hände.

Und Alle stehen steif und ernst wie Stöcke da —  auch die lustige Person und der Dichter. Die weißen Laternen leuchten jetzt rechts und links wie zwei schnurgrade Lichtketten. Die Zofe springt vom Globus herunter und verschwindet im Hintergrunde.

 
Der König und sein Gefolge

Der König erscheint.

Der Dichter und die lustige Person heben den rechten Arm mit ausgestrecktem Zeigefinger steif gen Himmel und verneigen sich —  das ist der bei Hofe übliche Himmelsgruß, der dem Könige bei allen möglichen Gelegenheiten dargebracht wird.

Der König hat hellblonde Locken und nur sehr wenig Barthaare, er trägt einen weiten schwarzen Sammetrock, der bis zum Knie reicht und durch einen Smaragdgürtel zusammengehalten wird; Smaragde sitzen auch oben am Kragen, an den Aermelaufschlägen, auf der Scheide des krummen Säbels und am oberen Rande der schwarzen Lackstulpstiefel. Ein Smaragdorden in Zackensternform glitzert auf der rechten Brustseite und die größten Smaragde brennen in der goldenen Krone des Königs. Fingerringe trägt der König nicht. Er ist wie alle Könige seiner Zeit mit seiner Umgebung sehr wenig zufrieden, seine Haltung ist nachlässig und etwas müde —  es ist ein noch sehr jugendlicher, sehr schwärmerischer König.

Die Hofleute, die sich im Gefolge des Königs befinden, gehören allen Menschenrassen des Erdballs an —  zumeist neuen Mischrassen. Da die Geschichte natürlich in fernster Zukunft spielt, so sind die Kostüme der Hofleute freieste Kompositionen der historischen Trachten mit vielen phantastischen Zutaten; polnische Pelzmützen werden zu japanischen Gewändern getragen, Turbane zu europäischen Fracks und schottischen Kniehosen, indianerhafte Federkronen zu ungarischen Husarenkleidern, Zylinderhüte zu chinesischen Mandarinenmänteln u.s.w. u.s.w.

Alle tragen sternartige Brillantenorden, teils auf der Schulter oder auf der Brust, teils an der Kopfbedeckung oder an den Armen. Jeder hat außerdem —  mit Ausnahme des Scharfrichters —  einen krummen Säbel in reich mit Steinen besetzter Scheide. Alle Kleider sind ziemlich bunt, doch ist die knallrote Farbe ängstlich vermieden. Nur der Scharfrichter geht in einem Havelock, der knallrot ist; sein spitzer altspanischer Cylinder ist ebenfalls knallrot; sein grades breites Schwert steckt in knallroter Scheide. Der Scharfrichter fällt außerdem durch schwarze Stulpenhandschuhe, schwarze Gesichtsfarbe und schwarzen Spitzbart auf.

Neben dem Scharfrichter schreitet würdevoll der große Zauberer einher in hoher schwarzer assyrischer Mütze und langem schwarzen Kaftan mit weiten Qermeln; Mütze und Kaftan sind mit weißen Sternbildern verziert, an der Mütze ragen über Stirn und Ohren drei Pfauenfedern empor. Ein langer schwarzer Vollbart wallt auf des Zauberers Brust hernieder. Nach der feierlichen Begrüßung des Königs, bei der viele Hofleute mit dem rechten Zeigefinger aparte Linien und Schnörkel durch die Luft ziehen, werden kleine pilzartige Stühle herumgestellt, auf denen die Versammelten sich allmählich niederlassen. Doch bleiben viele Hofleute vorn in der Nähe des Königs stehen.

Die Sphärenmusik klingt holprig.

 
Der Harem kommt

Der König sieht durchs große Fernrohr, streichelt den Himmelsglobus und die astronomischen und astrologischen Instrumente und macht unbewußt ein paar pantomimische Bewegungen der lustigen Person nach. Die Diener, die rechts und links die hohen Stocklaternen halten, beißen sich in die Lippen. Trommel—  und Paukenwirbel erschallt nun rechts und links, und die Spielleute treten aus den Gebüschen heraus.

Dann tanzen von allen Seiten die Haremsdamen herbei. Sie begrüßen den König, der sich auf die Marmorbank rechts gesetzt hat, wie üblich mit hoch erhobenem rechten Zeigefinger. Zuletzt kommen die beiden Gemahlinnen des Königs. Sie haben hellgrüne Kleider an, die bis zum Knie reichen und mit kleinen goldenen Schweifkometen garniert sind; jede Gemahlin trägt jedoch ein besonderes Hellgrün.

Auf dem Kopfe haben die Beiden Kronen aus goldenen Kometenschweifen.

Von den anderen Haremsdamen hat jede ein Kleid von besonderer Farbe; die Kleider reichen bis zum Knie und sind mit goldenen und silbernen Sternen und Sternbildern garniert. Die Kleider der Damen sind einfarbig, aber äußerst grell, während die Kleider der Hofleute sich durch gedämpfte und geschmackvolle Farbenzusammenstellung abheben.

Alle Damen haben auf dem Rücken goldene oder silberne Mondsicheln mit Gesichtsmasken als Flügel und außer den Königinnen keinen Kopfschmuck und dunkelfarbige Strümpfe. Die Sphärenmusik verfällt in ein heftig wirbelndes aufreizendes Tanztempo.

Die Hofleute entbieten auch den Haremsdamen den Himmelsgruß —  aber mit der linken Hand und dem linken kleinen Finger.

 
Die Mondgavotte

Und wie ein Sturmwind kommt die begeisterte Zofe aus dem Hintergrunde nach vorn gelaufen —  und ihr folgen sieben Damen in Mondpierrottracht.

Die Zofe springt mit einem Satz auf den Globus und hebt wie die Pierrots den rechten Zeigefinger gen Himmel und hält den Finger lange oben.

Die Zofe hat jetzt einen silberblanken kugelrunden Vollmond mit Gesichtsmaske als Hut auf dem Kopf und noch immer ihren grünen Staubwedel in der linken Hand. Die Pierrots —  alle sieben in Weiß —  haben goldene Vollmonde in Faustgröße vorn als Knöpfe, etwas größere auf den Schultern, Ellbogen und Knieen und an den Schuhhacken —  außerdem goldenen Mondhut und goldene Vollmondflügel in Scheibenform.

Die Pierrots tanzen mit sieben Damen in Blau eine Gavotte; die blauen Farben sind aber ganz verschiedenartig und nicht wie das Zofenkleid.

Die Zofe dirigiert die Gavotte, indem sie den Staubwedel wie einen Taktstock handhabt. Die Spielleute spielen rechts und links neben den Stocklaternen. Die Hofleute und die anderen Haremsdamen bilden einen Halbkreis um die Tanzenden, die sich öfters gegen die Marmorbank, auf der der König mit dem Scharfrichter sitzt, verneigen.

Der König lächelt zuweilen —  es ist aber ein sehr müdes Lächeln.

 
Die Leoniden— Polonaise

Nachdem die Zofe mit Hilfe ihrer sieben Pierrots vom Globus runtergesprungen ist und sich wieder ihre Federkrone an Stelle des Mondhutes aufgesetzt hat, bittet sie den Scharfrichter näher zu treten und nun auch auf den Globus zu steigen —  was nach einigem Sträuben mit Hilfe einiger Diener geschieht, während sich die Damen des Harems —  auch die Pierrots —  die Mondhüte abnehmen und Kometenschweife aus Federn auf den Kopf setzen.

Sämtliche Haremsdamen, die im Folgenden als Sternschnuppen aus dem Leonidenschwarm mit kopfgroßen Spiegeln in der rechten Hand ein kleines Gefunkel erzeugen, fordern die anwesenden Hofleute zu einer Polonaise auf Der König tanzt nicht mit. Auch der Zauberer, der Dichter und die lustige Person, die in der Nähe des Königs bleiben, tanzen nicht mit. Der Scharfrichter sieht recht hilflos aus, so daß Alle verstohlen über ihn lächeln.

Die beiden Königinnen führen die Polonaise als erstes Paar.

Die Polonaise windet sich öfters um den Globus, seitwärts und nach hinten hin.

Es fallen jedoch plötzlich unter zischenden Sphärenklängen sehr viele Sternschnuppen schräg vom Himmel herunter, so daß Alle furchtbar erschrecken.

Durch den Schreck wird die Ordnung gestört. Und unter erschrockenem Hin—  und Herrennen löst sich die Leoniden— Polonaise unvermittelt auf. Während die Sphärenmusik wieder in nervösem Tempo dahinjagt, versucht der Scharfrichter möglichst rasch vom Globus herunterzukommen. Da jedoch die Diener auch von der allgemeinen Verwirrung ergriffen werden, muß dem Scharfrichter der König mit der lustigen Person herunterhelfen. Der Zauberer und der Dichter kommen zu spät.

Alle erschrecken über dieses Intermezzo mehr als über den unerwarteten Sternschnuppenfall.

 
Das Horoskop— Menuett

Die Pierrots jagen nun die verwirrten Paare schnell zur Seite, der Himmelsglobus wird durch einen bunten Lappen, der Amerika darstellen soll, zu einem Erdglobus gemacht, die erste Gemahlin des Königs steigt auf den Globus —  und mit Hilfe des Zauberers wird der Dame auf dem Erdglobus von den sieben Pierrots das Horoskop gestellt.

Die Diener mit den milchweißen Stocklaternen bilden hinter dem Globus in großem Bogen einen Halbkreis und drängen dabei die Hofleute, Spielleute und die anderen Haremsdamen und Diener nach rechts und links und in den Hintergrund.

Der Merkur— Pierrot hat jetzt den usuellen Flügelhut auf dem Kopf und in jeder Hand eine furchtbar lachende Gauner— Gesichtsmaske.

Der Venus— Pierrot hat ganz besonderes blondes Haar, das fast bis zum Knie reicht, einen Abendstern auf der Stirn und einen Spiegel in beiden Händen.

Der Mars— Pierrot hat eine polnische Husarenpelzmütze auf dem Kopf und in jeder Hand eine große Pistole.

Der Jupiter— Pierrot hat die usuellen Zeuslocken nebst Zeusbart —  Scepter und Reichsapfel in den Händen.

Der Saturn— Pierrot trägt einen europäischen Herrencylinder, der sehr glänzt, und einen steifen Halskragen, der oben und unten aus schwarzen und weißen Ringen besteht, sodaß der Kragen einer Schießscheibe ähnelt; der Kragen geht weit über die Schultern hinaus und kann mit dem Kinn leicht vorn an die Brust gedrückt werden, sodaß zuweilen die ganzen Ringe zu sehen sind.

Der Mond— Pierrot trägt unverändert das Kostüm, das für die Mondgavotte vorgeschrieben wurde. Der Sonnen— Pierrot muß seinen größeren Sonnengesichtsmaskenhut, der mit Schönheitspflästerchen stark beklebt ist, oft mit beiden Händen festhalten.

Der Zauberer verändert fortwährend die Konstellation; er sucht dieselbe immer noch zu verbessern. Die Pierrots tanzen währenddem auf ihren Plätzen unverdrossen Menuett, wobei sie sich die fehlenden Partnerinnen zudenken und auch gelegentlich Solotänze zur Geltung bringen. Nachdem der ersten Gemahlin das Horoskop gestellt ist, wofür sie sich durch Solotänze auf dem Globus bedankt, wird auch der zweiten Gemahlin in ähnlicher Weise das Horoskop gestellt —  nur muß es damit etwas wilder zugehen. Schließlich soll dem Könige, der diesen ganzen Tanzzauber natürlich abgeschmackt und entsetzlich findet, ebenfalls das Horoskop gestellt werden. Der König läßt durch die Zofe seine Krone auf den Erdglobus legen.

Bei der Feststellung der Konstellation wird aber die Krone durch den Halskragen des Saturn— Pierrots runtergeworfen —  und furchtbares Halloh beendet das Horoskopmenuett. Die lustige Person biegt die Krone wieder zurecht —  und der König ist sehr böse —  seine Stirnfalten sehen sehr drohend aus.

 
Der Saturnringreigen

Da der König sehr ärgerlich ist, beeilen sich natürlich Alle, die nächste Nummer zur Ausführung zu bringen.

Eine fast ängstliche Hast kommt in Hof und Musik; man fürchtet sich ein bißchen vor dem Könige —  denn die gesamten Arrangements des Harems haben wohl die Absicht, den König zu erfreuen und zu ehren, es läßt sich aber auch nicht leugnen, daß Manches nach Verspottung der astralen Neigungen des Königs schmecken könnte.

Und so bringen denn die Diener schleunigst die großen Saturnringe heran. Und aus dem Globus wird ein schwarzer Saturn mit zwei weißen Ringen und einem grauen; die Ringe liegen etwas schräge —  hinten höher —  auf fester Unterlage.

Und nun wird der ganze Saturn wie ein Weltwunder umtanzt —  Hand in Hand.

Es tanzen danach die Pierrots auf den Ringen, während die Zofe auf dem Globus tanzt.

Und dann tanzen die beiden Königinnen zusammen auf dem Globus, während die Haremsdamen in Frauenkleidern auf den Ringen tanzen. Alle haben außer den beiden Königinnen breitkrempige Saturnhüte auf, die dem großen Globus mit den Ringen nachgebildet sind. Die Tänze werden immer hastiger, denn der König wird sehr ungeduldig.

Einmal wird er noch gemütlich und veranlaßt den Dichter und die lustige Person, mitzutanzen. Dann aber gehts mit der guten Laune pfeilschnell bergab.

Die Diener mit den Stocklaternen müssen ebenfalls den Saturn umtanzen.

Indessen —  da der König bald wieder sehr grimmig aussieht, so giebt die Zofe ein Zeichen, das Stillstehen gebietet.

Und Alle stehen still. Die Nachtigallen schlagen. Die Sphärenmusik brummt in tiefsten Baßtönen, während der König aufmerksam seine glänzenden Lackstiefelspitzen betrachtet.

 
Der Zofenwalzer

Die Zofe oben auf dem Globus schiebt ihren Saturnhut ins Genick, giebt den Dienern wieder ein Zeichen —  und die großen drei Saturnringe werden einzeln über den Kopf der sich bückenden Zofe hinweg abgenommen und weggetragen.

Die Zofe läßt von den Spielleuten ihren Walzer spielen, springt vergnügt runter vom Globus und fordert den König zum Mittanzen auf —  der aber giebt ihr den Scharfrichter zum Tänzer. Und bald wird ein schwungvoller Walzer von den Hofleuten und Haremsdamen getanzt. Die Diener mit den Stocklaternen stellen sich mit dem Rücken gegen den Globus und bilden einen Kreis um ihn. Leider werden nun von einigen Übermütigen ein paar astronomische Instrumente mit in den Arm genommen —  und dieser Übermut findet solchen Anklang, daß bald außer Globus und Fernrohr alle Instrumente den Zofenwalzer mittanzen.

Wie das der König sieht, schreitet er tiefernst in die Mitte und verbietet das weitere Tanzen.

Die Instrumente werden wieder rechts und links an die richtigen Stellen gesetzt. Die Stocklaternen stehen auch bald wieder rechts und links wie am Anfange.

Der König hat seine linke Hand auf den Himmelsglobus gelegt und läßt traurig den Kopf auf die Brust sinken.

Die Nachtigallen sind wieder sehr laut.

Die Menschen sind still.

Leise Sphärenmusik wogt auf und nieder.

Nur einzelne der Haremsdamen behalten ihre Saturnhüte auf, die meisten Damen geben ihre Hüte den Dienern und seufzen.

 
Der König und der Dichter

Der Zauberer nähert sich ehrfurchtsvoll dem Könige. Doch der König verlangt nach dem Dichter.

Wie der Dichter vor dem Könige steht, deutet dieser mit tiefer Verachtung auf seinen Hof und seinen Harem, dann mit verklärter Miene auf die Sterne des Himmels, auf die Instrumente, auf sich selbst —  und zuletzt auf des Dichters Guitarre. Dieses Pantomimenspiel wiederholt sich ein paar Mal mit Variationen. Der Dichter wiederholt zögernd ebenfalls die Bewegungen des Königs —  deutet mit seinem Zeigefinger auf Hof, Harem, Sterne, Instrumente, König und Guitarre —  zuletzt aber noch auf seine eigene Stirn —  nimmt danach die Guitarre von der Schulter ab und wirft sie dem Könige vor die Füße —  dreht ihm dabei den Rücken.

Der König erschrickt, die Nachtigallen schlagen, leise Sphärenmusik wogt auf und nieder, und ein Schwanken geht durch die Reihen der Hofleute, die Haremsdamen zittern vor Erregung.

Der König legt milde seine linke Hand auf des Dichters linke Schulter —  doch dieser Dichter schüttelt die Hand ab.

Da winkt der König seinem Scharfrichter.

 
Der Scharfrichter

Der Scharfrichter pfeift seine knallroten Henkersknechte heran und zieht sein breites grades Schwert aus der Scheide.

Der Dichter wird von den roten Henkersknechten gefesselt und in eine knieende Stellung gebracht. Die Ketten klingen.

Es wird sehr still auf der ganzen Bühne, man hört nur das Zähneklappern der Hofleute und das Rascheln der zitternden Damenkleider.

Der Scharfrichter läßt sich von seinen Untergebenen sein breites grades Schwert schleifen, was sehr umständlich und klangvoll geschieht. Während alle mit entsetzten Blicken die Exekution erwarten, wird die Sphärenmusik lauter —  sie ist aber sanft und säuselnd wie fernes Schilfgeflüster. Der Scharfrichter nimmt sein Schwert in die Hand, prüft seine Schärfe und will seines Amtes in der üblichen Weise walten. Da springt der Zauberer vor und kniet vor dem König —  händeringend, springt wieder auf und hält dem Scharfrichter den Arm fest, wiederholt Beides und reißt dabei seine Pfauenfedern von seiner Mütze und fuchtelt mit denen immerzu in der Luft herum —  mit geisterhaften Geberden.

Und der König winkt den Scharfrichter an seine Seite —  und der steckt sein Schwert wieder in die Scheide.

Die Henkersknechte müssen sich zurückziehen. Die Sphärenmusik wird prickelnd und prunkend wie ein Zaubergarten.

Der Dichter setzt sich auf den Fliesenboden und rasselt mit den Ketten.

 
Der Zauberer

Der Zauberer nimmt seine Pfauenfedern in die rechte Hand und erhebt sie und zieht mit ihnen magische Schneckenlinien durch die Luft, indem er immer wieder rückwärts geht.

Und alle Sterne des Himmels fallen gleichmäßig senkrecht vom Himmel herunter.

Eine unheimliche summende und zirpende Sphärenmusik ertönt. Der König geht aufgeregt und schwankend mit seinen zitternden Frauen, Hofleuten und Dienern, die alle schrecklich die Augen aufreißen und sich mit den Fingernägeln das Gesicht zerknallen, dem Hintergrunde zu.

Der Dichter kriecht zur Marmorbank und setzt sich auf die Marmorbank.

Alle Männer und Frauen schwanken beim Fallen der Sterne hin und her und zeigen durch Armbewegungen an, daß sie die Empfindung haben, mit dem ganzen Fliesenboden und den nebenstehenden Gebüschen in den Himmel gehoben zu werden.

 
Die Sterne des Himmels

Bunte Dampfwolken steigen vorne auf, und der König mit seinem Hofe wird unsichtbar. Große runde Weltsterne —  ein bis fünf Meter hohe Kugeln —  ziehen langsam durch die Wolken vorüber.

Die Sphärenmusik wird immer wilder und wilder.

Ein lachender Vollmond mit großer Gesichtsmaske steht bald oben mitten in den Wolken ganz still.

Schweifkometen hüpfen rechts und links neben dem Vollmonde wie Hampelmänner auf und nieder.

Während die Sphärenmusik sehr rasch dahinstürmt, werden die Gardinen langsam zugezogen.

Mit einem Paukenwirbel endet die rasende Sphärenmusik.

   

Zweiter Aufzug

Der Tanz der drei großen Kometen

Der König befindet sich noch wie gegen Ende des ersten Aufzuges mit seinen Hofleuten und seinen Haremsdamen im Hintergrunde der Bühne.

Die Sterne des Himmels fallen immer noch senkrecht vom Himmel hernieder; der Fliesenboden mit den nebenstehenden Gebüschen und dem ganzen Hofe steigt noch immer höher in den Himmel hinauf.

Der Dichter hat sich jetzt mit seinen Ketten rechts auf der Marmorbank sorglos hingelegt und starrt die niederfallenden Sterne an.

Die Diener mit den Stocklaternen stehen unregelmäßig verteilt teils seitwärts, teils hinten. Der ganze Hof hat dem Publikum den Rücken gekehrt.

Einige Diener tragen auf Befehl des Zauberers den Himmelsglobus nach vorn und stellen ihn dort links vor dem großen Fernrohr hin. Da erscheint ein großer Komet am Himmel. Und die Sterne des Himmels stehen still.

Die Frauen fliehen mit hellem Aufschrei beim Anblicke des Kometen nach vorn; die Männer versuchen, die Frauen zu beruhigen.

Der König lehnt sich ganz vorne an seinen Himmelsglobus.

Währenddem schwebt der Komet hernieder und erscheint hinten auf der Bühne.

Alle stehen in Furcht und Entsetzen wie Bildsäulen mit offenem Munde da.

Der Zauberer besänftigt die Gemüter, indem er mit seinen Pfauenfedern den Erschrockenen über die Köpfe fährt.

Der Komet kommt nach vorn und verbeugt sich vor dem Könige, der nur mit Mühe seine Fassung wiedergewinnt.

Der Dichter steht auf, verbeugt sich vor dem Kometen und rasselt mit seinen Ketten.

Die beiden anderen Kometen kommen hinter einander wie der erste auf die Bühne, und die Begrüßung spielt sich auch genau so ab wie vorhin.

Die Sphärenmusik klingt sehr milde, hingebend und weich.

Die Männer und Frauen haben sich allmählich beruhigt, der Zauberer weist die Diener an, rechts und links bunte Decken auf den Fliesen auszubreiten.

Und die Frauen lassen sich auf den Decken nieder.

Die Männer stellen sich hinter den Frauen auf.

Der König steht auf seinen Globus gestützt vorne links neben dem Scharfrichter, der sich auf sein Schwert stützt.

Vorne rechts auf der Marmorbank sitzt der Dichter und die lustige Person.

Die Sphärenmusik geht in Tanzmelodien über.

Und die Kometen tanzen.

Die Kometen werden von Menschen dargestellt, deren Kopf unsichtbar ist. Die Füße und die menschlichen Gliedmaßen sind ebenfalls unsichtbar. Ein Strahlenbündel schießt an Stelle des Kopfes wie ein elektrischer Scheinwerfer in die Höhe; kleinere Strahlenbündel springen hinten zwischen den menschlichen Schultern hervor. Der menschliche Körper wird von grätenartigen glitzernden steifen Zweigen umhüllt. Die Strahlenbündel auf dem Kopfe und zwischen den Schultern lassen sich leicht bewegen, und die glitzernden Zweige lassen sich leicht knicken und wie Spinnenbeine handhaben —  sie glitzern beim Geknicktwerden wie durchsichtiges Email in unzähligen bunten Farben.

Sämtliche Strahlenbündel stehen beim Tanze der Kometen immer wieder unter anderen Winkeln zu einander und verharren so öfters für ein paar Sekunden —  wodurch etwas Zuckendes in dem Tanze zum Ausdrucke gelangt. Der König verfolgt das Tanzspiel mit weit vorgebeugtem Oberkörper.

Die Sphärenmusik wird glänzend.

 
Der Tanz der drei großen Kometen
mit den sieben kleineren Sternen

Die Sphärenmusik wird unvermittelt sehr lärmend.

Und unter Geknall und Gepuff erscheinen die sieben kleineren Sterne hinter einander am Himmel; sie haben oben doppelte Mondgröße und kommen auch einzeln wie die Kometen auf die Bühne: die Begrüßung des Königs spielt sich sehr einfach —  beinahe pietätlos ab.

Zwei Kometen stellen sich dann rechts und links und einer hinten auf und beugen sich etwas nach vorn, sodaß die Strahlenbündel ihrer Köpfe oben in einem Punkte sich kreuzend zusammenschließen.

Und unter diesen drei Strahlenbündeln tanzen die sieben kleineren Sterne zuerst allein.

Von den sieben kleineren Sternen sind die größten nicht über zwei Meter hoch. Einige Sterne sind zackig, andere würfelförmig, rund oder vierkantig, einige leuchten stark oder glänzen wie farbige Brillanten, andere wie Gold oder Silber oder wie Opal und Perle. Ihre Bewegungsfähigkeit besteht hauptsächlich nur im funkelnden Sichdrehen und im Hin—  und Herpendeln; sie können aber rasch ihren Standpunkt verändern und springen. Füße und menschliche Gliedmaßen sind auch bei diesen kleineren Sternen nicht zu bemerken.

Schließlich tanzen die Kometen mit den kleineren Sternen zusammen; das Farben—  und Lichterspiel wird immer lebhafter. Die Kometen, die ihre Spinnenfinger stets in Bewegung halten, bilden mit den Sternen die verschiedensten Glanzornamente, die nur anfangs noch zuweilen zuckend festbleiben, nachher jedoch wie ein unaufhörlich sich drehendes Kaleidoskop wirken —  voll heftigster Beweglichkeit.

Die Tänze werden von der gewaltigsten Sphärenmusik begleitet; feierliche Orgeltöne durchbrechen oft die Tanzmelodien.

Wie die Sterne und Kometen plötzlich ganz still stehen —  die Kometen mit senkrecht emporstehenden Kopfstrahlen —  wird die Sphärenmusik wieder ganz sanft.

Die Hofleute und Haremsdamen bewegen sich —  als wären sie von einem Banne befreit.

 
Das Pas de deux

Den beiden Gemahlinnen des Königs gefallen die Beleuchtungseffekte der astralen Tänze ganz außerordentlich —  und die beiden wollen mit den Kometen und Sternen zusammen tanzen und bitten den König pantomimisch, das zu gestatten.

Der König nickt dazu und denkt an Andres mit weit aufgerissenen Augen.

Wie sich nun die beiden Damen den Kometen nähern, gehen diese in den Hintergrund und legen sich dort glatt auf den Boden, sodaß von den hellen Kometenschweifen nicht mehr viel zu sehen ist.

Die Königinnen wundern sich hierüber und wollen nun mit den sieben kleinen Sternen tanzen, doch die treten seitwärts und in den Hintergrund, wobei die Hofleute und Haremsdamen nicht wenig inkommodiert werden.

Hiernach tanzen die beiden Damen den Sternen zunächst mal allein was vor, um ihnen zu zeigen, daß zwei Königinnen wohl würdig wären, auch mit Sternen zu tanzen. Die Spielleute spielen, so gut sie können; die Sphärenmusik klingt zurückhaltend und spöttisch.

Alle wundern sich sehr.

Der König fragt den Zauberer pantomimisch, wie das kommt. Der Zauberer zuckt die Achseln.

Die Königinnen hören zu tanzen auf und tun sehr beleidigt und ärgerlich —  so recht pikiert.

 
Das Pas seul

Da will die Zofe die Ehre des königlichen Harems retten; sie erscheint ganz in feinen dünnen schneeweißen Gewändern; eine schneeweiße Mondsichel, deren Hörner neben den Ohren runtergehen, trägt die Zofe als Hut, und in den Händen hat sie einen langen Staubwedel, dessen Federn ebenfalls schneeweiß sind. Farbige flimmernde Lichter machen die Zofe zeitweise farbig und auch bunt —  in schottischer Musterung.

Die Zofe tanzt und giebt ihrer Sehnsucht nach den Sternen, die seitwärts halb in den Gebüschen stehen, und besonders ihrer Sehnsucht nach den im Hintergrunde liegenden Kometen ergreifenden Ausdruck.

Die Kometen richten sich zuweilen ein wenig empor, legen sich aber immer wieder hin; die Zofe tanzt oft mit dem Rücken gegen das Publikum, wobei die schottische Musterung stark zur Geltung kommt.

Von den Dienern mit den Stocklaternen sind nur drei oder vier hinten und seitwärts zu sehen.

Die Sterne bleiben an ihren Plätzen.

Die Zofe wird schließlich sehr traurig und geht kopfschüttelnd zum Könige, dem sie schluchzend zu Füßen sinkt. Ihr Schmerz wirkt aber so, daß sich die Hofleute ein Lächeln nicht verbeißen können.

Der König streichelt der Zofe beide Wangen und hebt die Knieende auf.

 
Die Freundschafts— Pantomime

Der Haremsdamen aber bemächtigt sich eine ungeheure Erregung; sie gestikulieren sehr deutlich und erheben sich alle von ihren Plätzen, ballen die bunten Tücher grimmvoll zusammen und werfen sie den Dienern und Hofleuten an den Kopf.

Und anitzo tanzen alle Damen einen Tanz, der ein großes Verlangen nach Freundschaft ausdrücken will und hauptsächlich in Arm—  und Fingerbewegungen besteht.

Kunstvolle Bewegungen des ganzen Körpers kommen hin und wider hinzu. Beine und Füße bleiben aber absichtlich ziemlich unbeweglich und machen nur gelegentlich ein paar Schritte, um den Standpunkt zu verändern.

Als auch dieser Tanz die Kometen und Sterne nicht zu rühren vermag, lacht der König seinen Harem aus.

Die Spielleute spielen nicht mehr.

Die Sphärenmusik ist wieder zu hören und klingt rauh —  unnahbar.

Die Frauen wollen hierauf —  gereizt durch ihren König, der gar nicht aufhört, über seinen Frauen zu lachen —  die himmlischen Tänzer mit Gewalt zum Mittanzen zwingen. Dabei verbrennen sie sich aber die Finger und laufen schleunigst zur Mitte und nach vorn.

Der König lacht nicht mehr, da er manchmal sehr mitleidig sein kann; er geht jetzt hinüber zur Marmorbank und setzt sich dort hin und betrachtet wieder aufmerksam seine Lackstiefelspitzen.

 
Die Verzweiflungs— Pantomime

Die Frauen bestreuen sich gegenseitig die Brandwunden mit Mehl und verbinden sich die Finger mit Taschentüchern und bewegen sich stehend, sitzend und liegend in Verzweiflungslinien; die bunten Decken sind wieder da.

Die Körper und Gliedmaßen werden derartig hin—  und hergewunden, daß ein Zusammenklang der Bewegungen stattfindet und eine allgemeine Schmerzempfindung zur Darstellung gelangt; die Gesichter müssen dabei sehr wirkungsvoll mitspielen.

Und ähnlich äußert der Zauberer seine Verzweiflung über die Sprödigkeit der astralen Lebewesen.

Der Zauberer fällt auf ein Knie vor dem König und fleht um Gnade, zuckt mit den Schultern und deutet durch eine ganze Reihe von Hand—  und Armbewegungen an, daß er die Himmlischen nicht zwingen könne. Diese Bewegungen bilden ein Pendant zu den verzweiflungsvollen Bewegungen der Haremsdamen.

Die Sphärenmusik verfällt in dumpfes Gebrumm.

Der König aber deutet durch viele lächelnde Gesten an, daß er die Sterne wohl verstehen könne. Der König würde auch nicht mit seinen Haremsdamen tanzen.

Da müssen natürlich alle Hofleute mit verschmitzter Herzlichkeit lachen —  die Frauen verstehen natürlich weder ihren König —  noch das Lachen der Männer.

Der Zauberer verbeugt sich sieben Mal lächelnd vor seinem Könige und faltet sieben Mal zum Zeichen des Dankes seine weißen Hände in einander.

 
Das Pas de trois

Auf den Zehen schleicht die lustige Person in die Mitte der Bühne, schneidet bedeutungsvolle Grimassen und deutet auf alle mögliche Art sehr selbstbewußt pantomimisch an, daß eine lustige Person sehr wohl die Sterne zum Mittanzen verführen könne.

Und der lustigen Person gelingt, was allen Damen nicht gelang. Nach einem wilden Klownstanz, den die Spielleute in lärmender Weise begleiten, kommt der goldene und der silberne Stern in die Nähe der lustigen Person. Und die Drei fangen zu tanzen an, daß sich alle Frauen trotz ihrer verbundenen Finger auf dem Boden wälzen vor Lachen; die Frauen versuchen mit ihren verbrannten Fingern Beifall zu klatschen, —  was natürlich nicht geht.

Das Pas de trois findet aber, als die Drei gerade im Hintergrunde sind, einen unvermittelten Abschluß dadurch, daß die beiden Sterne die lustige Person zwischen sich einklemmen und mit ihr in den Himmel schweben.

 
Die Säbel— Pantomime

Diese Himmelfahrt bringt die ganze Gesellschaft vollends aus dem Text.

Die Hofleute halten es jetzt für ihre Pflicht, tatkräftig in den Gang der Handlung einzugreifen.

Alle Hofleute tragen wie auf Verabredung eine ungeheure Entrüstung zur Schau; sie ziehen ihre blanken Säbel und fuchteln mit ihnen funkelnd in der Luft herum.

Und es entwickelt sich eine sehr lebhafte Säbelpantomime, die recht bedrohlich aussieht; es hat den Anschein, als wollten die Hofleute mit ihren blanken Säbeln den ganzen Himmel angreifen —  bloß um die lustige Person zurückzukriegen.

Der Zauberer rennt händeringend umher und versucht, die Erregten kniefällig zu beschwichtigen; es gelingt ihm das erst nach großer Anstrengung.

Die Kometen haben sich beim Säbelblitzen ein paar Mal verwundert aufgerichtet.

Durch die Sphärenmusik gingen wunderbare Metallklänge.

Der König hat lange mit erhobenen Armen der lustigen Person nachgestarrt.

 
Der Vollmond

Es wird allmählich still.

Die Nachtigallen schlagen wieder.

Die Sphärenmusik säuselt dazu wie ferne Wiegenlieder.

Wiederum hebt der Zauberer seine Pfauenfedern gegen den Himmel empor und beschreibt mit ihnen lange Beschwörungslinien. Und nach der Beschwörung erscheint ein lachender Vollmond am Himmel; er kommt majestätisch aus höheren Regionen herunter. Der Vollmond steigt auch auf die Bühne herunter und tanzt zu den Nachtigallentönen einen drolligen Wackeltanz mit kleinen Sprüngen, die den ganzen Hof wieder in gute Stimmung versetzen; die Säbel der Hofleute fliegen rasselnd in ihre Scheiden. Der Mond hat ein außerordentlich lustiges Gesicht; es ist derselbe, der am Ende des ersten Aufzuges in den Wolken erschien; sein Hinterkopf besteht aus lauter dunkelvioletten Locken, die beim Tanze hin—  und herfliegen; sein Gesicht ist dick und goldgelb.

Am Ende des Tanzes wirft der Mond die lustige Person aus seinen Haaren heraus.

Und während der Mond ruhig wie ein Himmelsglobus in der Mitte der Bühne stehen bleibt, hilft man der lustigen Person wieder auf die Beine —  sie hat in beiden Händen große Büschel dunkelvioletter Locken.

 
Das Mondlocken— Bacchanale

Die lustige Person verteilt die violetten Mondlocken unter den Haremsdamen, Hofleuten und Dienern.

Und die Locken haben eine berauschende Kraft in sich —  sodaß Alles im höchsten Übermute herumspringt —  und ein echtes Bacchanale aufführt, bei dem nur der Wein fehlt.

Der König, der Dichter, der Zauberer, die Zofe und einzelne würdevolle Herren und Damen haben keine Locken angenommen und stehen nun höchst trübselig da, während die Berauschten den Mond umtanzen —  in sehr ungezügelter höchst lächerlicher Weise —  die Diener und die Spielleute tanzen sämtlich mit.

Die weißen Laternen in Oktaëderform schwirren wie Glühwürmer durch die Luft.

Die fünf kleineren Sterne rühren sich anfangs nicht; aber wie die Wildheit des Bacchanals nachläßt, kommen sie in die Nähe des Mondes und verbeugen sich vor ihm ein wenig. Und darüber lachen alle.

Die Zofe will sich hierauf in die violetten Haare des Mondes hängen, doch der schüttelt sein Haupt so mächtig, daß die Zofe dem Scharfrichter in die Arme geschleudert wird. Da wird in dem König ein großer Entschluß lebendig und voll Tatsucht: der König will selber in den Haaren des Mondes gen Himmel fahren. Doch kaum macht er dazu ernstliche Anstalten, so reißt der Mond den Mund auf und pustet den König so stark an, daß der zurücktaumelt.

Und der Vollmond schreit gräßlich laut auf wie ein Esel, geht rückwärts und steigt, während eine Nachtigall, die sich auf seine Nase setzt, sehr laut zu hören ist, im Hintergrunde wieder zu den Sternen empor —  in den violetten Haaren hat augenscheinlich eben höchstens eine lustige Person Platz.

Der König versteht das Alles nicht, und die Haremsfrauen und Hofleute verstehen es auch nicht —  sie schlagen die Hände über dem Kopfe zusammen und stehen wieder mal wie Bildsäulen da —  die violetten Haare wirken nicht mehr.

Das Bacchanale ist zu Ende.

 
Die Entführung

Die Kometen richten sich wieder im Hintergrunde ein wenig auf, sodaß ihre Kopfstrahlen schräge stehen; zeitweise heben und senken sich die Kopfstrahlen.

Der König fragt pantomimisch in vielen Formen die lustige Person, wie's im Himmel war.

Da gehen die fünf kleineren Sterne in den Hintergrund und schweben dort einzeln nach einander empor.

Und der König wird schrecklich erregt; er will, während sich seine Hofleute und Haremsdamen ermattet auf den Fliesenboden legen, die Sterne zurückhalten und fordert sie pantomimisch mit flehenden Armbewegungen und kniefällig auf, doch bei ihm an seinem Hofe zu bleiben.

Und die fünf kleinen Sterne bleiben nicht. Da packt den König die Angst —  er fürchtet, auch die Kometen könnten ihn verlassen.

Der Zauberer soll die Kometen festhalten mit seinen Pfauenfedern, und das kann der Zauberer nicht.

Da will der König die Pfauenfedern selber haben.

Jedoch der Zauberer will die Federn nicht hergeben und giebt wieder seine Verzweiflungspantomime zum besten.

Da wird der König zornig und winkt seinem Scharfrichter und seinen Henkersknechten und nimmt sich die Federn mit Gewalt. Der Zauberer wird gefesselt und mit dem Dichter zusammen in knieende Stellung gebracht, während der König mit den Pfauenfedern die drei Kometen zu beschwören sucht.

Und die Federn verbrennen.

Und der König will nun Zauberer und Dichter köpfen lassen, wenn sie nicht im stande sind, die drei großen Kometen zum Dableiben zu zwingen.

Und die Beiden müssen kopfreckend und augenrollend mit den Achseln zucken.

Wie der Scharfrichter demnach wieder sein Schwert schleifen läßt und zum Losschlagen Anstalten macht, wandeln die Kometen langsam mit den hohen Kopfstrahlen hin—  und herpendelnd in den Vordergrund, lösen den beiden Verurteilten mit ihren glitzernden Spinnenfingern die Ketten, daß die klirrend abfallen, nehmen den König, den Scharfrichter und die Zofe in ihre Mitte, gehen mit den Dreien, obgleich sich der Scharfrichter sehr sträubt, in den Hintergrund —  und steigen dort mit den Dreien langsam in den Sternenraum empor.

Der König wird gleich ganz ausgelassen vor Freude, grüßt seinen Hof mit der Smaragdkrone, als wärs eine Mütze, schneidet seinem Hof eine lange Nase und zeigt den Zurückgebliebenen seine Zunge und lacht aus vollem Halse.

Der Scharfrichter ist natürlich schauderhaft wütend, und die Zofe natürlich ganz und gar begeistert. Die Drei verschwinden oben zwischen den Sternen.

Wolken qualmen aus dem Fliesenboden und Flammen schlagen auf, und die Bühne versinkt unter Donner und Blitz mit den Zurückgebliebenen in die Tiefe, während ganz vorn nicht weit von den Lampen eine alte Mauer, die so lang ist wie die Bühne breit ist, langsam einen guten Meter hoch aus dem Boden herauswächst.

 
Die Verzückten

Die Sphärenmusik wird rauschend; es klingt oft, als würden in der Tiefe Felsen zerschmettert.

Und es erscheinen die Wandelsterne —  ein bis fünf Meter hohe runde Weltkugeln in verschiedenen Farben; der schwarze Saturn mit seinen grauen Ringen zeigt diese unter verschiedenen Winkeln.

Langsam schweben die großen Weltkugeln auf und nieder; im Hintergrunde zieht der lachende Vollmond vorbei.

Die Stimme einer Nachtigall tönt, solange der Mond zu sehen ist, heftig in die Sphärenmusik hinein.

Die Wolken verschwinden allmählich, und die Fixsterne werden sichtbar; einzelne von diesen sind viel größer als sonst und seltsam in Form und Farbe.

Der König, der Scharfrichter und die Zofe erscheinen vorne vor der Mauer und sehen mit höchstem Entzücken, während sie dem Publikum den Rücken kehren, die Wandelsterne an.

Der Scharfrichter hat das Bewundern bald satt, aber seine beiden Begleiter werden nicht müde, ihrer Begeisterung mit Arm—  und Kopf—  und Körperbewegung Ausdruck zu geben.

Langsam gehen die Drei an der Mauer entlang von rechts nach links; die beiden Männer sind jetzt unbewaffnet.

 
Die Verrückten

Die runden Wandelsterne gehen zur Seite —  neue Wandelsterne kommen aus der Fixsternwelt heraus.

Die Sphärenmusik wird immer hastiger und rast bald im wildesten Tempo dahin.

Die neuen Wandelsterne haben nicht mehr Kugelgestalt; sie haben die Gestalt riesiger Diamanten und vielkantiger phosphoreszierender Krystallkörper —  einige bestehen aus unförmlichen Schlauchgebilden, die wie Seifenblasen schillern und an Polypen erinnern, andere ähneln erstarrten Flammen —  die meisten sind sehr farbenprächtig und formenreich. Aus Sonnen, die riesigen Schaumkronen gleichen, schlagen bunte Lichter wie Scheinwerfer heraus und durchglänzen die neue Sternenwelt. Alle Sterne bewegen sich auf und nieder, und die kugelrunden Wandelsterne kommen auch wieder vor und gesellen sich zu den reicher geformten Weltkörpern. Die Wandelsterne gehen oftmals ganz tief in den Hintergrund zu den Fixsternen, sodaß immer andre Sterne im Vordergrunde sind. Die drei Menschen steigen links auf einer schmalen holprigen Steintreppe, die an der linken Seitenkulisse weiter nach hinten führt, zu einem Felsenkegel empor, auf dessen Spitze sich ein burgartiges Gemäuer mit einem Söller befindet.

Von der hohen Stein— Balustrade des Söllers werden die drei Menschen zeitweise verdeckt. Ihre Begeisterung hat jetzt jedes Maß überschritten, ihr Wesen wird immer toller —  nur der Scharfrichter spielt den kalten Verstandesmenschen.

Und so ist ganz natürlich, daß sie an einander geraten und sich schließlich prügeln. Der Scharfrichter ist leider der Stärkere, und es gelingt ihm, seine beiden Gegner, nachdem er sie hinter der Steinbalustrade niedergeworfen hat, kopfüber in die Sternenwelt hineinzuwerfen —  erst den König und dann die Zofe. Gleich nach diesem Fall erscheint oben der Vollmond, dem jetzt die Haare zu Berge stehen —  er sinkt sehr schnell herunter, als eile er den Gefallenen zu Hilfe; die Nachtigall ist wieder zu hören; sie sitzt wieder auf der Nase des Mondes.

Ein dicker Kugelstern stößt vorne links gegen die schmale Treppe und wirft sie nebst dem Felsenkegel mit dem Scharfrichter in die Seitenkulisse.

Donnertöne gehen durch die Sphärenmusik.

 
Die Sterne des Himmels

Abermals kommen neue Wandelsterne aus der Fixsternwelt heraus —  gasartige Lichtgestalten, die durcheinander gehen —  wie Schatten. Immerzu flackern bunte Blitze auf. Es entwickelt sich eine berauschende zitternde Fülle ungeheurer Lichtspiele.

Kometen, die Flammenschwertern gleichen, sausen durch das chaotische Weltenreich.

Glühende Bandmeteore schlängeln sich wie Feueraale überall durch.

Die runden und die reicher geformten Wandelsterne, die oft zur Seite schweben, aber nur selten ganz verschwinden, werden oft in allen möglichen Farben von durchziehenden Kometenschweifen beleuchtet.

Die Sphärenmusik erreicht die größte Klangstärke und klingt zuweilen so, als würden alte Felsen von Riesenkrallen zerkratzt. In diese aufgeregte Licht—  und Farben—  und Formenwelt schweben aus der Tiefe kommend die drei großen Kometen mit senkrecht in die Höhe stehendem Kopflicht langsam hinein und hinauf —  die drei Kometen haben wieder die drei Menschen, die von ihnen in den Himmel entführt wurden, in den glitzernden Armen.

Alle Sterne schweben seitwärts und in den Hintergrund und machen Platz.

Die Kometen schweben mit dem König und der Zofe und dem Scharfrichter, die jetzt ruhig ihren Kopf nach allen Seiten drehen, langsam nach oben in noch höhere Sphären, die unsichtbar sind. Die Sphärenmusik wird immer leiser und weicher.

Der Mond steigt auch aus der Tiefe wieder heraus und schwebt lächelnd ganz langsam nach oben den Kometen und Menschen nach. Wie der Mond beinahe oben ist, fällt langsam der Vorhang.

Und die Sphärenmusik klingt ganz leise wie aus weiter weiter Ferne.

Und die Stimme der Nachtigall tönt auch wie aus weiter weiter Ferne.

 
Finis


 

Lakkarudia

Eine Schlangen— Novellette

Kaum glaublich! —  und doch! —  und doch! Dort drüben sitzt ja meine Freundin —  die kluge Lakkarudia. Und die Lakkarudia ist eine geflügelte Schlange... Jawohl, ich sitze hier auf dem Neptun! Wer hätte das wohl gedacht? Die Schlange schreibt —  aber ihr Stuhl und ihr Tisch —  seltsam! —  verblüffend! Eine gewundene, in eine Rinne verwandelte Stahlschiene —  in der Form sehr ähnlich einer aufrecht stehenden arabischen 3 —  das ist der Stuhl. Als Tisch dient eine große, schwarze, blank polierte Steinkugel. Der blau und grün schimmernde gleißende Schlangenleib hat sich fest in die Windungen der Stahlrinne hineingeschmiegt. Die silbergrauen durchsichtigen Hornflügel hängen oben rechts und links steif herunter. Der rote, mit Goldstreifen durchfurchte Kopf der Schlange ist weit über die schwarze Steinkugel gebeugt, und zwei ganz kleine Ärmchen mit zwei ganz kleinen Händchen kommen zu beiden Seiten unter dem roten Schlangenkopf zum Vorschein. Mit dem rechten Händchen schreibt die Lakkarudia in einem kleinen weißen Buch. Die Wände des Gemachs, in dem wir sitzen, sind aus einer bernsteinartigen gelben durchsichtigen Masse gefertigt, die zusammengehalten wird von einern Fischbeingerippe, welches dem Hause die vielkantige, schnörkel—  und bogenreiche Form verleiht. Ich blick’ hinaus aufs Meer, das schwarzblau ist, auf dem wir mit unsrem Hause herumschwimmen... Andre Häuser schwimmen nicht weitab auch herum —  schaukelnd wie stolze Schwäne, Eine ganze Stadt schwimmt da —  denn der Neptun besitzt kein Land —  dieser Stern ist nur eine große Wasserkugel —  ein großer Welttropfen. Doch das Meer wird erregt. Mächtige Wellen wälzen sich durchs Wasser, Wolken ballen sich am Himmel zusammen. Und da drüben erscheint noch eine andere Weltkugel —  eine schwarze; sie ist scheinbar auch ein Welttropfen. "Lakkarudia, schnell! sieh nur! sieh nur!" Also ruf’ ich, zeige dabei der Schlange die schwarze Weltkugel, die sehr rasch größer wird... Jedoch die Schlange lacht, daß ihr die goldenen Furchen im roten Antlitz blitzen, und daß der blau und grün leuchtende Leib heftiger schillert und glitzert. Dann sagt meine Freundin gutmütig: "Das ist ja nur der Luftballon, mit dem unsre Stadt in die Lüfte fährt." "Unsre Stadt?" frag’ ich. "Ja!" sagt die Schlange, Währenddem steigen wir auch schon empor, und das Rauschen des Meeres verhallt bald in der Tiefe, Nicht lange währt’s, und wir sind oben in der ruhigen Luft... Oben hielt die Lakkarudia im Schreiben inne, wandte mir ihren Kopf mit den blitzenden Goldfurchen zu, schaute mich forschend an und erzählte mir dabei alles Mögliche vom Leben auf dem Neptun. Sie erklärte mir ausführlich, weshalb wir plötzlich hoch in die Lüfte mit ungeheurer Geschwindigkeit hinaufgezogen wurden: weil’s eben auf dem Neptun im Herbst und im Frühling so stürmisch war, daß die schwimmenden Städte den Sturm auf den Wellen nicht wohl ertragen konnten; manchmal ließen sich die Neptunbewohner auch ins Wasser hinein —  hinab bis zum Mittelpunkt des Sterns —  hinunterziehen —  das geschah gewöhnlich, wenn’s auch in den oberen Luftschichten allzu stürmisch für die geflügelten Schlangen wurde —  von schweren Taucherkugeln wurden sie dann in die Tiefe gezogen, Jedenfalls gingen die Bewohner des Neptuns ängstlich jedem Sturme aus dem Wege —  sie wollten immer in möglichst ruhiger Umgebung leben. Das setzte mich denn doch in Erstaunen, und ich fragte meine Freundin, warum die geflügelten Schlangen die Ruhe so sehr liebten, daß sie ihr zu Liebe die größten Luftballons und die kostbarsten Taucherkugeln mit so viel Mühe herstellten. "Warum flieht Ihr", fragte ich, "die höhere Erregung im Wasser und in der Luft —  warum?" Lakkarudia versetzte: "Weil wir eben klug sind. Wir müssen uns doch schützen —  der Sturm gefährdet unsre Häuser und unser Leben." Ich jedoch erwiderte der klugen Schlange kaltblütig, daß nach meinem Dafürhalten das nicht der wahre Grund zur steten Flucht vor dem Sturme sein könnte, "denn", so fuhr ich wörtlich fort, "die Schutzmaßregeln gegen den Sturm würden, wenn Ihr auf der Ober—  fläche des Meeres bliebet, Euch lange nicht so viel Arbeit und Umstände kosten als jetzt." Die Schlange hustete heftig, schlug ein wenig mit den silbergrauen Flügeln um sich und meinte scharf: "Nun ja, lieber Freund, uns macht die Ruhe so schrecklich viel Vergnügen —  daher die Umstände! Wir lieben die Windstille, und wir fürchten und hassen den Sturm. Du aber scheinst noch immer zu glauben, daß Du Dich auf der Erde befindest, Auf der Erde habt Ihr ja festes Land, und auf dem festen Lande habt Ihr Ruhe genug —  Ihr seid also an die Ruhe gewöhnt —  daher versteh’ ich völlig Deine kindliche Freude am brausenden Sturm. Versteh’ auch unsre Freu—  de an der Windstille! Die Beweglichkeit uasrer Luft ist uns zur Plage geworden. Entwickelte Wesen sehnen sich eben immer nach dem Anderen. Bei Euch ist aIlerdings das Andere der Sturm —  die Unruhe! Doch bei uns ist nun mal das Andere die Windstille —  die Ruhe! Der Neptun ist doch ein leicht erregbarer Wasserstern. Das darfst Du nicht vergessen. Du bist nicht mehr auf der Erde." Lakkarudia pendelte träumerisch mit ihrem lieblichen Goldkopf so hin und her, als könnte sie die vielen Gedanken ihres kleinen Schädels kaum mehr tragen. "Hm! Hm!" macht’ ich da, dacht’ nach über die Klugheit der Neptunsschlangen und ging hinaus auf den feinen, aus Fischgräten hergestellten Söller... Der Luftballon stand hoch über mir wie eine große schwarze Scheibe. Die andern Häuser hingen nicht weitab —  doch teils tiefer —  teils höher. Rechts hinten unter einem heliblau erleuchteten Hause war der kleine, dunkelrote Sonnenball zu sehen —  ganz hinten im Himmel. Ein paar Kometen durchkreuzten die Neptunsbahn. Und das Dämmerlicht ringsum, in das ein paar Sterne farbig nie—  derleuchteten, war sehr ruhig —  so ruhig wie ein traumloser Schlaf. Ich aber stand auf dem Grätensöller und —  wollte —  das Andere —  fortwährend von Neuem das Andere —  immer wieder das Andere! "Entwickelte Wesen sehnen sich eben immer nach dem Anderen!" Also sprach die Schlange. Und ich rief laut in die Dämmerung hinein: "Oh, Lakkarudia, ich verstehe schon Deine Sehnsucht nach der Ruhe! Ich versteh’s schon! Aber —  aber —  seit Ihr denn auch wirklich ganz zufrieden, wenn’s so windstill bei Euch ist? Wollt Ihr in der Windstille nicht auch gleich wieder das Andere —  immer wieder von Neuem das Andere?" Die Lakkarudia hat mich später dieser Rede wegen ausgelacht und mir bewiesen, daß die Ruhsucht der Schlangen auf dem Neptun grade das beste Mittel sei, immer wieder zum Andern hinzureizen die Ruhsucht halte ja die leichten Hütten mit ihren Grätensöllern in ständiger Bewegung —  und die Bewegung erzeuge in jedem Augenblick eine andre Aussicht —  gleichfalls —  immer wieder das Andere! Andre Bilder! Die Lakkarudia meinte, wir müßten sehr vorsichtig in der Wahl des Einen sein, damit uns das Andre nicht in Ungelegenheiten brächte —  an das nur "Nützliche" dürften wir nicht unser Herz hängen, denn wenn wir im "Nützlichen" das Eine sähen, so wäre das Andere für uns gewöhnlich ein "Schädliches" —  und so weiter... Meine Freundin sprach mal ungefähr folgendermaßen: "Genieße nur die Dinge, die Dir weder schädlich noch nützlich sein können, so wirst Du immer ohne Schaden gelegentlich wieder dem Anderen nachjagen können. Das ruhige Wetter ist hier auf dem Neptun nur was "Nützliches", darum beacht’ es nicht! Auf der Erde ist das Wetter, ob’s nun gut oder schlecht ist, gemeinhin weder schädlich noch nützlich. Auf der Erde kannst Du Dich also allen Luftzuständen mit Feuereifer widmen. Auf dem Neptun ist die Sache anders! Der Sturm zerstört uns hier Alles —  zerstört uns selbst —  deswegen dürfen wir die Windstille nicht so andächtig genießen, wie Du getan hast —  sonst sehnen wir uns auch noch mal nach dem verderblichen Sturm wie Du —  und diese Sehnsucht nach dem Sturme können wir, wie Du jetzt wohl einsiehst, nicht verwenden. Also: wohl sollen wir uns immer nach dem Andern sehnen —  aber das Eine muß auf jedem Sterne naturgemäß ein Andres sein! Du verstehst nicht? Sieh Dir hier lieber die Wolken an und laß die Luftbewegung dicht vor deiner Nase so sein, wie sie will. Hier bei uns ist das Eine sowohl wie das Andre wirklich anders als bei Euch." Ich verstand allmählich... Auch das Vielsinnige in Lakkarudias Worten verstand ich allmählich... Es dauerte allerdings eine gehörige Spanne Zeit —  leicht wurde mir das Verstehen nicht. Die geflügelten Schlangen erschienen mir dann eines Tages so klug, daß ich vor meiner Freundin Lakkarudia auf die Knie niedersank und ihr stürmisch meine glühendste Liebe erklärte. Einer so klugen reizenden Schlange gegenülber soll ein Erdenmensch ruhig bleiben? Das geht leider nicht! Das ist leider umnöglich! Klugheit, die fast Weisheit ist, bestrickt zu sehr. Die Lakkarudia erschrak, wie sie mich auf den Knien sah —  sie hätte bei meiner Liebeserklärung fast ihre Neptunsruhe verloren. Der Sturm meiner Leidenschaft umbrauste die Schlange wie ein —  Neptunsorkan. Und es ward ein merkwürdiger Roman daraus —  wieder mal —  wieder was Andres!!! Wie war’s nur? Ach! Ich hab’s vergessen! Wenn man vergessen will, vergißt man so schnell und so leicht. Meine liebe —  meine gute —  meine ruhige —  meine kalte —  meine kluge —  meine falsche —  schlangenschlaue —  böse —  Lakkarudia! Ach! Schluß!!


Theater

Geister, die lange zusammen waren, erkennen sich plötzlich nicht wieder; sie sind ganz verändert; ihr Rumpf ist fort, und ihr Kopf besteht nur noch aus zwei kleinen Ohren und unzähligen Opalaugen.
Eine schlanke Geistertüte von regelmäßiger Kegelform ist zu einer Opalaugentüte geworden.
Die Opalaugentüte leuchtet wie faules Holz; die Ohren der Geister ähneln dunklen Perlgebilden, die aber das gleißende Opalisieren der Geisteraugen nicht stören.
Vom Fuß der gleißenden Tüte, die wie die ungeheure Glanzspitze einer verborgenen Pickelhaube hoch in den dunklen Himmel emporragt, geht jetzt nach allen Seiten flach ansteigend ein grünes Moosland trichterförmig in die Höhe und bildet eine ungeheure runde flache Schale - eine grüne Mooslandschale -, in deren Mitte die Geisterspitze steht- wie der Schirmstock in einem umgekehrten offenen Regenschirm.
Doch die Mooslandschale ist nicht gewölbt.
Der Himmel, der so lange dunkel war, wird hell - weiße Wolken machen den Himmel hell -, der ganze Himmel besteht bald nur aus sehr hoch gestiegenen weißen Wolken, die klein aussehen - wie ganz kleine Lichtblüten.
Die Opalaugen der Geister sehen nach allen Seiten und sehen alles anders als sonst - sehen wie durch unzählige ganz feine durchsichtige Schleier, die von den Bildern der Welt nicht fortnehmen, sondern zutun.
Und ganz langsam dreht sich die spitze Tüte - die Drehung ist kaum merklich.
Und Riesenpilze wachsen aus dem Moosboden heraus.
Die Riesenpilze kriegen oben sehr dicke blaugraue Kopfe mit langen wächsernen Nasen. Und andere Pilze, die neben den bekopften wachsen, kriegen oben Hände mit dicken rosafarbigen Fingern. Und diese Finger legen sich an die wächsernen Nasen. Und da tun sich die breiten Mäuler der Pilzköpfe auf und reden unverständliche Worte.
Doch in der Mitte die Geister mit den feinen Perlenohren verstehen einzelne Sätze - so diese: »Der dicke Rausch hat uns geboren!«
»Wir sind die grandiosen Symbolika des Rausches.«
»Wir allein verstehen den Rausch, weil wir selber Rausch sind - und weil sich der Rausch nur selber verstehen kann.«
Und ihre Köpfe werden ganz unförmlich.
Ein grünlicher Schimmelpilz mit gelben Flecken, aus dessen Schädel spiralförmige, bleiartige Blätter herauswachsen, sagt bedächtig: »Gibt es eine berauschendere Sache als die vollkommene Rauschlosigkeit? Die könnte doch der Gipfel der Selbständigkeit sein! Ja! Es ist das nicht unmöglich!«
Und ein andrer Pilz, dessen Kopf wie ein altes verfallenes Felsentor aussieht, fragt leise: »Liebe Rauschbrüder, wißt Ihr vielleicht, ob wir im Streben nach dem Rausch mehr nach höherem Bewußtsein oder mehr nach Bewußtlosigkeit verlangen? Läge uns an dieser, so müßte uns die Selbständigkeit sehr egal sein. Andernfalls wär's vielleicht anders.«
Es ertönt keine Antwort.
Nach langer Pause spricht die klappernde Stimme eines schwarzen Keulenpilzes: »Denken wir nur, um berauscht zu werden? Oder - werden wir nur berauscht, um denken zu können?«
Und ein andrer Pilz, der blaue Krebsscheren statt der Haare auf dem Kopfe hat, sagt in langgezogenen Tönen, während seine Radaugen furchtbar rollen: »Wir sind heute wieder so recht nüchtern. Das macht wahrscheinlich das viele Denken. Wollen wir denn den Rausch begreifen? Der sieht ja täglich anders aus. Chamäleon!«
Und die Pilze schwanken und steigen mit ihren Fadenwurzeln aus dem Boden und gehen wackelnd hinauf zum fernen, fernen Mooslandsrande; mit den dünnen Wurzelbeinen kommen die Dicken nur langsam vorwärts.
Grüne Dämpfe steigen vorn auf.
Und die Pilze werden unsichtbar.    Ein Windzug - und die grünen Dämpfe sind fort.
Knirschend steigen aus dem Moosboden durchsichtige Kristallsäulen heraus.
Astartige Arme wachsen den Kristallsäulen; die Arme sind auch Kristall und haben keine Hände - an Stelle der Hände entstehen Kristallköpfe mit lauter rechteckigen Formen - auch die zwei Augen der Köpfe sind rechteckig.
Und die Kristallwesen unterhalten sich; es reden die sämtlichen Armköpfe einer Säule für gewöhnlich im Chore.
Die Geister der Tüte vernehmen die folgenden Reden und Gegenreden: »Meine Wenigkeit hat bislang erst zweitausend Entwicklungsprozesse durchgemacht. Aber ich würde nette Lügenmäuler haben, wenn ich behaupten möchte, ich hätte jemals in meinem langen Leben eine Ahnung davon gehabt, wohin mich diese ganze Entwicklung führen könnte.«
»Ist es denn nötig, daß die Endziele der Entwicklungsprozesse uns ganz klar wie Kristallsäulen vor Augen stehen? Ist es nicht genug, daß wir immer noch ein unbestimmtes Vergnügen daran finden, uns weiterzuentwickeln? Hätte die Entwicklung noch irgendwelchen feineren Reiz, wenn wir über die Endziele des ganzen Weltbestrebens völlig im klaren wären? Wären wir in diesem Falle nicht am Ende aller Weisheit und entwicklungsunfähig? Ist aber nicht grade die stete Entwicklungsfähigkeit die Krone der Lebenskraft und Lebenslust?«
»Alle diese köstlichen Fragen hindern uns nicht, Betrachtungen über die Entwicklung unsrer Kristallseelen auch fürderhin anzustellen. Für mich gibt es immer noch zwei Kardinalfragen: Entwickeln wir uns zur Selbständigkeit, wenn wir immerzu anders werden - oder entwickeln wir uns tatsächlich zu unbestimmbaren Größen? Nach meiner Meinung müßten wir bald so weit entwickelt sein, um eine dieser beiden Fragen ausmerzen zu können.«
Eine zitternde Stimme spricht nach einer Weile ganz allein: »Sind wir Geschöpfe, so gibt es auch Schöpfer, und sind wir selber Schöpfer, so müßten wir eigentlich mehr schaffen als bisher. Wir können auch schaffende Geschöpfe sein. Und wir können auch was andres schaffen - es brauchen nicht immer lebendige oder tote Geschöpfe zu sein. Wenn ich aber schaffen will - ganz gleich was -, so frage ich immer: was ist für die großen Schöpferstunden günstiger: der Wechsel der Lebensumstände oder die Gleichförmigkeit der Lebensumstände?«
In klingenden Chören tönt es zurück:
»Streben wir nach Ruhe oder nach Bewegung?«
»Wär's nicht besser, wenn ein Moment still stehen bliebe wie ein alter Träumer?«
Knirschend sinken die Kristallsäulen wieder in den Moosboden - und sind bald den Blicken der Opalaugen entzogen.    Und riesige Schachtelhalmwälder wachsen in der großen Moosschale rasch empor - und die Wälder biegen sich und rauschen.
Und es tönt aus den Wäldern ein schwerer Gesang.
Und dann rufen die Wälder seufzend: »O Nebulosa! O Nebulosa! Wo weilst Du? Weißt Du denn nicht mehr, daß wir so schrecklich unselbständig sind und die Gesellschaft so nötig haben?« Und blaue Wolken wirbeln aus den Wäldern heraus, die blauen Wolken steigen höher und vermischen sich da mit lilafarbigen und orangefarbigen.
Und diese bunten Wolken umschweben die Wipfel der sich biegenden, rauschenden Schachtelhalmwälder.
Und die Wolken sprechen, ohne daß die Geister Mund oder Nase sehen: »Wir haben nun über alles nachgedacht und freuen uns über unser Nichtwissen viel mehr als über unser Wissen.« Die Wolken steigen höher.
»O Nebulosa!« rufen die Wälder.
»Die Nebulosa«, tönt's nun von oben herunter, »ist ein einziges Wesen und besteht doch aus sehr, sehr vielen Wolken; die Nebulosa glaubt, daß es ihr gar nicht mehr behagen könnte, andre Wesen für klüger zu halten als sich selbst; die große Nebulosa, die eigentlich gar nichts weiß, will auch nichts mehr wissen - piept opp die olle Weisheitstinte.«
»Recht schade!« sagen die Schachtelhalmwälder, »wir hätten so gerne gewußt, was uns angenehmer sei - das Licht oder die Finsternis.«
Da blitzt es heftig in den bunten Wolken.
Aber die Wälder schweigen nicht; während die Schatten der Wolken über den Wipfeln hin und her huschen, fragen sie: »Zieht das Aufgeben des Ichgefühls Mangel an Bewußtseinsempfinden nach sich?«
Noch heftiger blitzt es in den Wolken.
»Sind wir lebenskräftiger«, fragen die Schachtelhalmwälder weiter, »wenn wir uns als ein Ich fühlen - oder wenn wir jedes Ichgefühl aus Hochachtung vor dem Ganzen, zu dem wir gehören könnten, unterdrücken?«
Da schlagen die Blitze in die Schachtelhalmwälder, daß die aufflammen und sich im nächsten Augenblick in Staub verwandeln.
Die blauen Wolken mit den lilafarbigen und orangefarbigen Flecken steigen hell blitzend immer höher und rufen aus der Höhe herunter: »Die Nebulosa verlacht das Ichgefühl - und vernichtet das Ichgefühl.«
Und oben verfliegen die bunten Wolken, so daß keine Spur von der Nebulosa übrigbleibt.
Wieder leuchten die kleinen weißen Wolken.
Den Geistern der Tüte treten Tränen in die bunten gleißenden Opalaugen, so daß sie funkeln wie Tautropfen im Sonnenglanz.    Und mit mächtigem Gepolter wachsen riesige rote Berge durch den Schachtelhalmwälderstaub.
Und die roten Berge sind von glitzernden Flüssen durchzogen, die sich wie seidene Bänder um die Gipfel der Berge schmiegen. Zinnoberrot sind die Berge - und die Flüsse so wie Silber - wie Quecksilber - auch so beweglich.
Und aus den roten Bergen werden große lachende Riesenköpfe, die sehr gutmütig schmunzeln.
Und die silbernen Flüsse umschlingen den breiten Hals der Bergriesen und gehen oben ins Haar der Bergriesen und bewegen sich wie flüssige Schlangen und flüstern schmeichelnde Worte ins Ohr der Bergriesen.
Und dann fangen die Flüsse zu fragen an wie gute Kinder - sie wollen so gerne was wissen - sie wollen was von den Göttern wissen.
»Ist die Zahl der Götter, die, wie wir wohl wissen, auch Sterne genannt werden, wirklich gar nicht auszusprechen ?«
Also fragen die schmeichelnden Schlangen, und die roten Riesen antworten: »Die Zahl der Götter ist nicht einmal auszudenken - es gibt gar nicht so viel Platz, um die Zahl aufzuschreiben- die Unendlichkeit ist für die Zahl viel zu klein - die Götter überragen alles.«
Da wundern sich die Flüsse sehr, und ihre Wasser umplätschern die Stirn der Riesen.
Aber die Flüsse sind neugierig; sie wollen noch mehr von den Göttern wissen.
»Können die Götter«, fragen die Neugierigen »wirklich machen, was sie wollen?«
»Ih, kein Bein!« erwidern schmunzelnd die Roten, »die Götter hängen wieder von andern Wesen ab, die viel größer sind als alle Sterne zusammen. Und diese Obergötter hängen wieder von Ober-Obergöttern ab usw. Alle haben immer noch einen Höheren über sich - es reißt gar nicht ab. Und dann sind alle - sowohl die einfachen Götter wie die oberen - durch unzählige dicke Taue aneinander gebunden - und hängen alle untereinander voneinander ab. Das alles solltet Ihr Euch mit Euern Eingeweiden in Euer Herz schreiben.«
Da zittern die Flüsse, denn sie können sich das alles gar nicht ordentlich ausmalen - so großartig erscheint es ihnen.
Sie wollen nun nur noch wissen, ob sich die Götter ebenfalls immer weiter entwickeln wie die Flüsse und Berge und all das Gewürm, das auf und in ihnen lebt.
Und zu dieser Frage nicken alle Bergriesen so kräftig mit den Köpfen, daß sich ihre Halsketten kaum festhalten können.
Und kopfnickend rutschen die roten Berge nach allen Seiten aufwärts bis in die weite Ferne zum Schalenrande, wo sie immer kleiner werden und schließlich so klein sind, daß die Opalaugen nichts mehr von den roten Bergen mit ihren neugierigen Flußketten bemerken.
Und die Opalaugen können so weit sehen - nach allen Seiten zu gleicher Zeit.     Schnee fällt aus den weißen Wolken - sehr viel Schnee, so daß die ganze Mooslandschale bis zum fernen Rande zum großen Schneetrichter wird.
Wie aller Schnee unten ist und die Opalaugen wieder weit herumblicken können nach allen Seiten, sehen sie einen dunkelgrünen Himmel und oben rings um den ganzen Schneetrichterrand große dunkelblaue Schmetterlinge mit goldenen Schnörkeln. Und alle diese Schmetterlinge sind aneinander gefesselt mit schweren eisernen Ketten, so daß sich die herrlichen Sammetfalter nicht bewegen können.
Die Schmetterlinge schreien: »Jetzt wollen wir uns eine Willensrichtung geben, denn das haben wir stets gewollt! Jetzt kann's losgehen!«
Es geht aber gar nichts los - die Schmetterlinge bilden ruhig weiter ihren Ring am Trichterrande.
Der Schnee schmilzt.  

Und unter dumpfem Gepuff springen ringsum zackige alte Berge mit alten Burgen aus der immer noch sanft ansteigenden Mooslandschale, die jetzt wieder so dunkelgrün ist wie einst.
Und aus den Burgen springen Riesenfrösche heraus und tanzen.
Und die Berge mit den Burgen tanzen mit.
Ganze Wälder entstehen im Hintergrunde, ballen sich zusammen und tanzen mit.
Kornfelder und Fahrstraßen entstehen vorn und tanzen mit. Und die Riesenfrösche brüllen in mehrstimmigen Chören: »Wollen wir denn frei sein?«
»Wollen wir denn frei sein?«
Und das tanzende Schalenreich wird furchtbar hell - und die Opalaugen der Geister sehen unzählige dicke Strippen, an denen die ganze tanzende Gesellschaft hängt.
Oben im dunkelgrünen Himmel werden auch dicke Fäuste sichtbar, die die Strippen halten und regieren.
Plötzlich sausen unzählige breite Schwerter vom Himmel herunter und funkeln vor den Opalaugen so heftig hin und her, daß die Geister glauben, vor ihnen entwickle sich der große Kampf der Unsichtbaren, die alles an ihren Strippen lenken.
Und bei dem Schwertgefunkel ist das lustige Hampelmannreich mit den Riesenfröschen bald nicht mehr zu entdecken.  Die Geister der Tüte bedauern lebhaft, daß sie infolge Mundmangels nichts zu sagen vermögen; die Schauspiele, denen sie beiwohnen dürfen, haben etwas Beklemmendes für die Tüte.
Die blinkenden Schwerter hauen sich allmählich gegenseitig kaputt und fallen fort.
Und das Hampelmannreich kommt wieder zum Vorschein. Während der Schwerterfehde sind aber noch große blaue Meere zu den Bergen, Burgen, Fröschen, Fahrstraßen, Kornfeldern und Walddistrikten hinzugekommen.
Die Strippen sind nicht mehr zu sehen, doch die Hampelei nimmt ihren Fortgang - und zwar mit erheblichster Vehemenz.
Die Geister sehen nach allen Seiten und werden nicht klug aus diesem Getanze; alles drängt sich den blauen Meeren zu, die mächtig rauschen.
Die Geister horchen mit ihren Perlohren und verstehen nach und nach, was geredet wird.
Die Frösche sagen: »Wir sind die großen Fragezeichen, und jetzt soll der große Kampf um die erlösenden Sätze beginnen. Die erlösenden Sätze haben die großen Antworten in sich. Und die Meere haben alle beide in sich sowohl die Sätze wie die Antworten. Und diese beiden Dinge müssen wir den blauen schlauen Meeren entreißen. Das wird ein famoser Krieg!«
Und die Frösche springen in die blauen Meere hinein, daß es ein großes Geplumpse gibt.
Und dabei fragen diese Frösche lachend: »Was macht mehr Spaß als die Unwissenheit?«
»Fragen wir, um was zu wissen - oder fragen wir, um bloß zu wissen, daß das Wissen nur ein Wissen vom Nichtwissen ist?«
»Gibt uns das Wissen vom Nichtwissen nicht die größte Portion Selbstbewußtsein?«
Die Frösche tauchen unter; auf den dunkelblauen Meeren bildet sich viel weißer Schaum.
Und die Berge mit den Burgen drängen sich nun auch an die Meere und wollen ihnen ebenfalls erlösende Sätze abringen.
Die Meere werfen ihre donnernden Wogen den Bergen entgegen, daß der Schaum die Burgen bespritzt.
Und die Berge fragen ächzend: »Ist Denken mehr als Fragen?«
»Ist Denken und Fragen dasselbe?«
»Besteht unsre ganze Weisheit bloß aus großen Fragen?«
»Werden wir ewig bloß Fragezeichen sein?«
»Besteht vielleicht unser Glück bloß im Fragenkönnen?«
Und die Burgen fragen: »Gibt es eine Frage, die uns nüchtern machen kann?«
Die Meere ziehen, als wären sie verletzt, ihre blauen Fluten weit von den Bergen fort und bäumen sich hoch auf.
Und die Meere werden zu hohen Gebirgen.
Und jetzt gehen ihnen die Fahrstraßen nach und fragen heftig: »Wird uns das Außerunsseiende leichter bewußt als das sogenannte Ich?«
»Sind Welt und Ich bloß Traumspäße?«
»Ist überhaupt ein Wesen denkbar, das der Welt ins Herz sehen kann?«
Und wogende Kornfelder fragen: »Hat die Welt ein Herz?«
»Ist die Welt ein einziges Wesen - so wie ein Kornfeld?«
»Hat die Welt eine Haut?«
»Ist die Welt klüger als alles das, was in ihr lebt?«
»Kann ein Ding, das in der Welt lebt, mal ebenso klug oder ebenso dumm wie die ganze Welt werden?«
Die Wälder aber ballen sich wieder zusammen wie Igel und fragen knarrend: »Wenn wir fragen, ob wir selbst es sind, die da fragen - ist das denn wirklich die größte Frage?«
»Wenn wir fragen, ob wir selbst es sind, die da denken - ist das denn wirklich der größte Gedanke?«
Da spritzen die Meere ihre Fluten empor, daß es aussieht, als gingen Millionen Fontänen in die Höhe.
Und die Geister der Tüte vernehmen, wie die Meere ganz deutlich schimpfen und sagen: »Seid doch froh, daß Ihr so viel Vergnügen am Fragen findet. Ihr seid so naiv wie die patriotischen Krieger. Würden wir Euch Eure Fragen alle beantworten, so würdet Ihr nur auf neue Fragen sinnen müssen. Dieser Mühe sollt Ihr durch unser Schweigen überhoben sein.«
Da recken sich die Berge mit den Burgen, die Fahrstraßen und Kornfelder ganz hoch in die Höhe und wollen mit den Meeren kämpfen.
Aber den Meeren wachsen weiße Flügel in den Seiten.
Und die Riesenfrösche fliegen, während die weißen Flügel mächtig wachsen, in großen Bogen aus den blauen Fluten raus und fliegen mit solcher Wucht gegen die Berge und auf die Fahrstraßen, daß die lustigen Tiere platzen und elendiglich verrecken.
Und dann hauen die blauen Meere so heftig mit ihren weißen Flügeln um sich, daß die Berge zu Billionen Steinen zerschlagen werden, die die Frösche und Wälder, Fahrstraßen und Kornfelder ganz und gar überschütten, so daß die Mooslandschale von oben bis unten mit Steinen übersät ist, als hätte es Steine geschneit.
Und die blauen Meere erheben sich und fliegen mit ihren weißen Flügeln wie Riesenvögel hoch empor zum Himmel.
Und die geflügelten Meere, in deren Wasserleibe die Fische herumschwimmen und die Korallen wachsen und die Seesterne mit den Austern kämpfen - diese geflügelten Meere werfen große Schatten hinunter, die viel, viel größer sind als Billionen Meere zusammen.
Die Opalaugen der Geistertüte können bald gar nichts mehr erkennen - so dunkel sind die großen Meeresschatten.    Aber am fernen Rande der großen Schale, in deren Mitte die Tüte steckt, sehen die Opalaugen unheimliche Gespenster - die kriechen wie Spinnen über den Rand und kommen sachte heruntergekrochen.
Wie sie sich aber aufrichten, erschrecken die Geister der Tüte über die ungeheure Größe dieser Spinnen; sieben schrecklich lange Beine tragen einen Panzerrumpf; krinolinenartig stehen die Beine auf dem schrägen mit Steinen übersäten Boden der Schale.
Und der Panzerrumpf geht hoch in den Himmel hinauf, der jetzt so grau ist wie Blei und nicht sehr hell - und so seltsam gerippt erscheint, als gingen Röhren durch.
Die Gespenster haben oben einen ganz kleinen Kopf, in dem kaum die Augen zu unterscheiden sind.
Sieben riesig lange Arme haben die Riesenspinnen, und in sieben knolligen Fäusten halten sie den Griff eines rostigen Bratenmessers, das gefährlich aussieht.
Und diese unheimlichen Gesellen klettern einander auf die Schultern, und die obersten berühren mit ihren rostigen Bratenmessern den bleigrauen Himmel - und schneiden nun vorsichtig große siebeneckige Stücke aus dem Himmel raus.
Und durch die siebeneckigen Löcher können die Opalaugen in ein großes, buntes Sternenall sehen, in dem es sehr hell ist.
Und die Opalaugen sehen, daß da die bunten Sterne mit bunten langen Stricken aneinander gebunden sind, so daß dieser Sternhimmel wie ein alter Winkel aussieht, in dem unzählige Spinngewebefäden Wustnetze bilden.
Und die siebenbeinigen Gespenster steigen mit ihren Bleihimmelstücken herunter und wollen mit dem himmlischen Gut davongehen nach hinten zum fernen Rande, wo sie herkamen.
Aber die Bleihimmelstücke drehen sich den langen Kerlen aus den Händen raus und schweben wie fliegende Swift-lnseln empor und schweben in der Luft herum.
Die Siebenbeinigen stehen ganz ratlos da.
Plötzlich aber fallen die Bleihimmelstücke den Siebenbeinigen auf den Kopf und drücken den Rumpf mit solcher Gewalt durch, daß unten die langen Beine wie Glas zersplittern.
Die Bleihimmelstücke schlagen aber gleich mit den Panzerrümpfen so tiefe Löcher in die Mooslandschale, daß die auch auseinander berstet und in großen Stücken in eine unbekannte Tiefe fällt.
Die Opalaugentüte bricht dabei um und fällt den Bleihimmelstücken und den Mooslandschalenstücken nach.
Und die Geister lösen sich voneinander los und fallen in ein dunkles Luftreich, in dem sie sich wieder verwandeln und seltsame Blumengerüche empfinden.
In dem dunklen Luftreich duften unsichtbare Blumen so stark, daß die Geister an ferne Vergangenheit denken mussen - und sich plötzlich an ein langes, langes Leben erinnern

 

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Letzte Aktualisierung 05.05.09
durch Markus Feuerstack
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