Editorial

fognin infotainment präsentiert:Index
Paul ScheerbartPaul Scheerbart
von Paul Scheerbart

Die dummen Kinder

Mythische Burleske

aus: „Ja..was.. möchten wir nicht Alles!“
Ein Wunderfabelbuch



Graue Wolken, dunkle graue Wolken dringen hastig sich ballend über dem Kiefernwalde rauchend qualmend empor, höher, hinauf, zum blauen Himmel, den die strahlende Sonne hell durchglänzt. Und aus dem grauen Gewölk recken sich plötzlich unzählige braune Kinderköpfe heraus - sie lachen. Jetzt flattern sie schreiend den Wolken voran. Ihre silberweißen Flügel schimmern hell gleißend im Himmelsblau, und die nußbraunen nackten Glieder wackeln, die braunen Beine stampfen durch die Luft, und die braunen Arme schlagen gelenkig ins Blaue hinein.
Krächzende Krähen umschwärmen die jubelnde Kinderschar. Das dickste Kind kreischt laut, weil es nicht so schnell fliegen kann wie die Andren. Die aber ballen die Fäuste zusammen und lachen aus Leibeskräften, stoßen einander in die Seiten und zeigen mit dem Zeigefinger auf das dickste Kind, das wieder nicht ordentlich fliegen kann. Schwalben schießen pfeilschnell durch die Schar; doch abermals wird ein brausendes Gelächter angestimmt, als ein paar schwerfällige Enten aus dem Himmel herniederfallen und sich dreist auf die Köpfe der größten Kinder setzen, die an der Spitze des Zuges fliegen. Da bleiben die Enten auch sitzen, und über die braunen Backen der lustigen Schlingel kugeln Tränen um Tränen -so sehr müssen Alle lachen über die schwerfälligen Enten. Währenddem schlägt das dickste Kind wütend heftiger mit seinen silberweißen Flügeln aus, und da die Andren durch ihr lautes Lachen im Fluge behindert werden, so gelingt es dem Dicken ganz unvermutet, in die vorderste Reihe zu gelangen, wo er nun kichernd weiterflattert und mit den Flügeln herumschlägt wie ein Spatz.
Da steigt der Windgott aus den Wolken heraus. Schneeweiß sind seine langen schlanken Glieder, und seine Flügel sind schwarzer Sammet Schwarze Nachtaugen glänzen im weißen Marmorantlitz des Gottes, sie schauen trunken in die blaue Weite. Doch in den schneeweißen Armen hält der Gott unzählige lange hellgrüne Windkellen, die wie hohe spitze große Halmblätter in das Blaue hineinragen.
Schreiend flattern die Kinder wie aufgescheuchte Bienen durch einander. Sie frohlocken und jauchzen, klatschen in die Hände, jubeln und singen - - denn ihr Gott ist da.
Der Gott fliegt hoch über den Seinen dahin, dann läßt er die langen hellgrünen Windkellen auf die Kinderschar niederfallen.
Es beginnt eine wilde Balgerei. Jeder will die längsten und dicksten Windkellen erhaschen. Die Blattformen sind nicht alle von gleicher Art, einige sind gezackt, andere rund, eckig, oder spitz - die schönsten Kinder wählen die reizvollsten Blattformen. Indessen - das Geschrei will garnicht enden, und die Kleinen balgen sich in der Luft, so daß die ausgerissenen silberweißen Flügelfedern nur so herumfliegen.
Und der Gott schaut lächelnd hernieder auf seine Kinder, die sich raufen nach Herzenslust. Sie necken sich, sie zergen sich, sie reißen sich um die besten Windkellen und machen einen Lärm, daß der ganze Himmel widerhallt. Doch als das kindische Spiel dem Gott der Winde nicht mehr gefällt, klatscht er laut in seine Hände - und das hören Alle, sie wissen, was das bedeutet, sie rufen sich eifrig zu: „Ruhig Kinder! Ruhig! Jetzt müssen wir endlich Wind machen." Die Kinder zerstreuen sich, damit sie Platz haben in der Luft, denn die Windkellen sind groß.
„Jetzt soll es aber rauschen", denkt das dickste Kind und es schreit: „Macht Wind! Macht Wind!" - und alle Kinder werden ruhig, lärmen nicht mehr. Ihr Gott pfeift auch schon gellend durch die freien Lüfte, sein Antlitz leuchtet über den Seinen, die wohl wissen, was das bedeutet.
Und die Kinder mit den Windkellen in der Hand spitzen den Mund und pfeifen auch, so laut wie der Gott selbst, so daß es gellt. Dann fächeln sie die Luft mit den langen Blattfächern, und sanfter Wind weht durch den Himmel.
Die Pfeifenden packen den Blattstiel fest mit beiden Fäusten, werfen die Windkellen weit über den Rücken zurück und schlagen nun so heftig zu, daß der Stiel sie mitreißt und sie kopfüber stürzen. Und während die Beine hoch aufwärts zappeln, holen die Kleinen gleich wieder zum neuen Schlagen aus, und schneller sausen die langen hellgrünen Blätter durch die Lüfte, wieder purzeln die braunen Schlingel kopfüber, und abermals zappeln die Beine hoch über ihnen, und die Windkellen sausen wiederum in großem Bogen nach oben - und dazu wird fortwährend gepfiffen - und ein großer Wind weht über die Lande
Fliegende Windmühlen scheinen durch den Himmel dahinzujagen. Die Wolken können kaum folgen. Die Kinderschar wälzt sich durch die aufgeregte Luft. Die hellgrünen Windkellen bewegen sich weiter wie lange gehetzte Windmühlenflügel. Die braunen Kleinen purzeln emsig immer wieder kopfüber. Der Wind wird stärker und stärker; die Kinder pfeifen nicht mehr - der Wind pfeift selbst.
Als endlich der Wind ganz stark geworden, klatschet der Gott mit den weißen Gliedern und den schwarzen Flügeln zum zweiten Mal in seine Hände. Die Kinder hören's. Pustend und jappend versuchen sie die jetzt von selber sich bewegenden Blattstiele zurückzureißen, noch ein paar Male schießen sie mitgeschleudert kopfüber, dann halten sie die Windkellen fest wie Spieße vor sich - vom Winde getragen segeln sie dahin.
Der Gott schwebt voran einem großen Waldsee zu. „Am See wollen wir rasten", ruft er zu den Seinen hinab. Und die Schar sinkt nieder und rastet am See.
Alle horchen, wie es rauscht.
Sie liegen auf dem Ufersande hingestreckt neben ihren Windkellen. Der Gott sitzt oben auf der gelben Düne, schaut träumend hinaus auf die schäumenden Wogen. Die hellgrünen Gräser zittern und säuseln, das Schilf flüstert, die Wellen bespülen plätschernd den gelben Sand, und die Kiefern rauschen. Es rauscht die ganze Welt.
Die kleinsten Schlingel pflücken Brombeeren, sie essen eifrig. Die duftblauen Beeren färben mit dem roten Safte Lippen und Kinn der Kleinen. Die Älteren biegen mit den dicken Händen ihre Ohrmuscheln nach vorn und lauschen mit verhaltenem Atem, wie der Wind pfeift und surrt, raschelt und toset - sie lauschen so aufmerksam, als wär's befohlen von ihrem Gott.
Die Gräser lispeln, und hinten in den Kiefern braust es, in der Luft summt es, über die Wasser weht der Wind.
Die rastende Schar horcht und lauscht immerfort. Alle Töne der Welt brummen und klingen und hallen ohn' Unterlaß um die kleinen braunen
Ohren.
Und die Windkinder sind stolz, denn sie machten den Wind, der das Rauschen in die Welt gebracht.
Das dickste Kind ruht neben dem großen Windgott auf der Düne - es hat sich jetzt erst verpustet. Der weiße Gott spielt mit den blonden Locken seines Lieblings und lächelt, der Dicke hat so eifrig Wind gemacht.
Der Dicke sieht nun sinnend drein und denkt etwas aus, indem er mit dem Zeigefinger herumfuchtelt; sodann streichelt er seinem Gott das Knie und beginnt also: „Vater, weißt Du, was das ist ´Zweck´? - einige Zwerge sagten neulich, unsere Arbeit habe garkeinen Zweck. Was ist Zweck? Sie fragten, zu welchem Zweck wir Wind machten, und wir erwiderten: ,um zu hören, wie es rauscht, dazu machen wir Wind.´ Da haben die Zwerge wiederum gesagt, ,das hat ja garkeinen Zweck´. Was ist das nur dieses .Zweck? Guter Vater, weißt Du nicht, was Zweck ist?"
Die Kleinen, die nicht weitab lagern, kriechen behutsam näher, sie horchen noch aufmerksamer auf, denn sie wollen nun hören, was der Vater sagen wird. Der aber sagt garnichts, er lacht und schüttelt mit dem Kopf. Etwas später ruft er Alle zusammen und spricht: „Hört mal, Kinder, der Dicke hat mich gefragt, was .Zweck' ist. Ich möcht' Euch das sehr gern erklären, aber ich weiß schon, mit Worten geht es nicht. Paßt mal auf, was ich jetzt tun werde, vielleicht begreift ihr dann, was Zweck ist. Bleibt nur hier liegen."
Hiernach ließ sich der Gott alle Windkellen wiedergeben und flog empor. Oben angekommen machte jetzt der Vater Wind. Da ward der Wind zum Sturm, und die Wasser des Sees schäumten über die Ufer, die Kiefern brachen, Staubwolken wirbelten empor. Regen und Hagel prasselte zur Erde, die ersten Schneeflocken fielen herab, gelbe und rote Blätter wurden von den Bäumen gerissen. Der Sturm toste und tobte, so daß sich die Kleinen an den schlanken Birkenstämmen festhalten mußten. Der Sturm toste und tobte drei Tage und drei Nächte.
Am Morgen des vierten Tages stieg der Windgott zur Erde nieder und rief schnell seine Kinder zusammen. Die Erde war ringsum verwüstet. Der Vater fragte gleich, ob nun Jemand schon wüßte, was „Zweck" ist Und das dickste Bund kam traurig näher, wies ringsum auf die verwüsteten Wälder und auf den überschwemmten Strand und sagte gedankenvoll mit dem Kopfe nickend: „O Vater, Alles auf der Welt entzweimachen, das ist der Zweck des Windmachens." Und die übrigen Kinder nickten auch verständnisvoll und ernst mit dem Kopf, sie sagten Alle dasselbe.
Da fühlte der Gott, daß seine Kinder weder ihren Vater noch sich selber ganz verstehen würden, und er freute sich dessen - und lachte darüber so grimmig, wie er es noch nie getan, und er rief laut, daß es Jeder hörte: „Wenn wieder die Zwerge sagen, euer Windmachen habe keinen Zweck, dann lacht nur die alten Grauköpfe tüchtig aus. Sagt nur lustig, ihr wißt schon, was Zweck ist. Haut den Alten auf die Nase, schreit ihnen dabei zu -, Das ist Zweck! Das ist Zweck!' Dann aber fliegt rasch von dannen."
Da lachten alle Kinder, und ihr Gott lachte mit, daß es schallte.
Und der Windgott dachte daran, wie wohl ihm geworden, als er so heftigen Sturm erregt, und wie sich die Luft so prächtig atmen ließ. Und er schaute mit beiden Augen zum Himmel und sagte leise zu sich: „Nein, diese Zwerge! Nun wollen die meine Kinder zu Grüblern machen." Der Gott mußte lachen von ganzem Herzen.
Wenn aber die Kinder wieder Wind machten, so gaben sie sich die größte Mühe, Sturm zu machen. Das gelang ihnen niemals, denn ihr Gott hielt sie fleißig dazu an, immer gleich nachher zu hören, wie es rauscht


Und es rauscht der Wald, Und es
rauscht der See, Und es rauscht die
ganze Welt Wie das widerhallt!
Wie das klingt so froh! Wie das Allen wohlgefällt!
Und die Kinder fragen warum -
0 ihr Kinder seid nicht so dumm!


von Paul Scheerbart


 

Die neue Tänzerin

Tragische Pantomime

aus: „Ja..was.. möchten wir nicht Alles!“
Ein Wunderfabelbuch



Durch weiße Wolken schaut der Mond. Der Waldsee glänzt, und der Tauduft hängt im Gezweige der alten mächtigen Fichten, die groß und steif auf den Hügeln stehen und sich nicht rühren. Die grünen Kronen der Bäume zittern nicht, knarren nicht - schweigen. Es stört kein Laut den Frieden der Nacht
Neben den geheimnisvoll stillen Wassern, mitten unter den Waldeshügeln, liegt ein freier Platz hart am Abhange, der gelbschimmernd steil zum Ufer hinabführt. Holzkloben sind auf dem Ratze regelmäßig aufgestapelt, zu einem Klafter vereint, vor dem Holzspäne, Fichtennadeln, trockne Reiser und Äste den Erdboden bedecken. Der Mond erhellt die braunen Stämme der Fichten, das Waldesdunkel ringsum, die breite Seite des Klafters, an dem die runden Querschnitte der durchsägten Kloben weiß aufleuchten. Da kommen Arm in Arm hervor aus dem Waldesdunkel zwei Zwerge; sie haben kleine Besen in der Hand und treten zusammen auf den freien Platz vor dem Holzklafter. Der eine Zwerg schaut nach drüben zum jenseitigen hohen Seeufer, blickt zum hochstehenden Mond empor und beginnt dann mit dem Besen den Platz von den Reisern und Nadeln zu säubern, der andre Zwerg tut schweigend das gleiche. Die Beiden sind mit braunen Kitteln aus dickem Tuche bekleidet, eine breite braune Zipfelmütze bedeckt ihr weißes Haupt, die langen weißen "Barte reichen fast bis zum Knie. Kaum haben die Zwerge zu fegen begonnen, so treten aus dem Dickicht ihre Brüder hervor, auch mit Besen in der Hand, schweigend helfen sie den Hatz reinigen, sie heben die Äste, Reiser und Zweige vom Boden und werfen sie den steilen Abhang hinunter. Kein Zwerg hat Zeit zum Sprechen, sie arbeiten emsig, es sind ihrer zwölf. Als der große Platz sauber und rein wie eine Tenne gefegt ist, schweben Elfen von der jenseitigen Waldeshöhe langsam über den glänzenden Waldsee zu den Zwergen hinüber. Die Elfen haben bunte Schmetterlingsflügel und helle feinfarbige lange Gewänder, sie grüßen freundlich die ehrwürdigen Alten und lassen sich auf dem Holzklafter nieder. Die einen lassen die langen Gewänder bis zur Erde hinabhängen, die anderen kauern sich zusammen, zwei setzen sich seitwärts auf einen Baumstumpf. Die Zwerge lagern sich rund um den Hatz im Kreise. Ganz still wird es. Niemand bewegt sich mehr. Der Mond scheint hell und klar;
Ein himbeerrotes Gewand schimmert im \\äldesgrün, aus dem bläulichen Tauduft taucht es hervor, und zwei schneeweiße Arme heben sich aus dem Gewände heraus. Eine schlanke Gestalt schreitet rasch dem Holzklafter zu. Jetzt bleibt sie stehen, nimmt den roten Schleier vom Gesicht und schaut mit blassem Antlitz und schwarzen Augen in den großen Mond. Sie ordnet die feinen durchsichtigen Schleier, die ihren weißen Körper umwehen, atmet noch einmal tief auf und geht an den Zwergen vorüber mitten auf den freien Platz. Die himbeerroten Gewänder wehen ihr nach, sie breitet die Arme weit aus, in jeder Hand hält sie einen langen spitzen Blattfächer von moosgrüner Farbe; die Enden des Fächers biegen sich sanft auf, als die weißen Arme wieder niedersinken. Die neue Tänzerin ist in den Kreis getreten, sie will ihre Kunst zeigen, sie ist größer als die Elfen und Zwerge, sie verbeugt sich zitternd nach allen Seiten, und man nickt ihr freundlich zu. Der Mond scheint auf das goldgelbe Haar, das in wirren Strähnen in die feinen Falten der Gewänder vernestelt scheint. Ein Diamantreif hält die Locken über der Stirn zusammen. Der Mond blitzt in den Steinen. Die Zwerge streichen sich den langen Bart, die Elfen setzen sich bequem auf den Holzkloben zurecht
Die Tänzerin steht lässig auf dem harten Boden, sie hebt allmählich ihre Arme, die durch die moosgrünen Fächer verlängert scheinen, steif empor wie zwei Flügel, bis sich die Spitzen der Blattfächer hoch oben über dem Haupte berühren. Sodann sinken die Arme genau so nieder, wie sie emporgehoben wurden. Diese Bewegung wiederholt sich.


Langsam wehen auf und nieder
Ihre langen grünen Fächer.
Langsam heben sich und sinken
Ihre langen weißen Arme,
Die die langen grünen Fächer
Fest mit weißen Fingern halten.
Und das Spiel des geisterhaften
Stillen bleichen Feenkindes
Wiederholt sich immer wieder.

Plötzlich hält die Tänzerin mitten in der einförmigen Bewegung inne. Unmutig und aufgeregt steckt sie die Fächer in die Gewänderfalten über der Brust, so daß ihr Kopf zwischen den beiden moosgrünen Blättern einen Augenblick sinnend hervorschaut, alsdann beugt sie sich nieder.


Hastig mit bebender
Zitternder Hand
Schürzt sie das lockere
Feengewand.


Die schneeweißen Beine, von den Enden der durchsichtigen roten Gewebe umwallt, glänzen im Mondlicht Jetzt heben sich schwerfällig die Füße vom Boden, mit Anstrengung werden sie aufgehoben, um dann bald wieder bleischwer auf die Erde zu fallen. So wandelt die neue Tänzerin langsam wie von Träumen umfangen in kleinen Kreisen umher. Alsbald jedoch scheinen die Füße Kräfte zu empfangen, sie schnellen den Körper empor, immer schneller und schneller, so rasch und wild, daß die roten Schleierhüllen nicht mehr sinken können, sie hängen in der Luft in tausend Knitterfalten, die weißen Hände reißen sie höher, werfen und schleudern sie fort. Verlangend recken sich die Arme zum Himmel, und die kleinen Finger greifen hinauf, immer höher, als wollten sie die weißen Wolken haschen und sich an ihnen emporzerren zum großen Mondlicht.
Nun steckt sie sich lächelnd die Fächer hinten an den Schultern fest, daß sie wie Flügel aussehen.


Ein Ruck durchzuckt
Den ganzen Leib
Sie springt und steht
Mit frohem Blick.
Hoch auf den Zehen stürmet sie eilig
Mit zitternden Beinen im Kreise herum.
Schlaffan den Lenden hängen die Arme,
Sie scheint zu schweben, sie scheint zu fliehn.

Doch der eine Zwerg, der am Abhange liegt, springt blitzschnell auf und erhebt seinen kleinen Besen. Die Tänzerin dreht sich errötend um, dreht sich noch einmal und dann immerfort, rascher, rasender, so unaufhaltsam wie ein Kreisel, daß nur ein rotes Kleid, grüne Flügel, goldgelbe Haare zu sehen sind. Die weißen Arme und Beine greifen und schleudern sich, der Wirbeltanz läßt keinen weiteren Gedanken zu, die Zuschauer staunen und bewundern.


Rasend wie Sturm
Waghalsig keck
Sauset er wild
Rasch wie der Blitz
Wirr und voll Gier
Toll ohne Rast
Hin durch die Welt
Dieser verzückt
Wirbelnde Tanz.
Atemlos jagt
Sehnig und stolz
Dieser hellbunt
Glitzernde Reif
Rund um den Hatz,
Scheuchet in Wut
Alles empor,
Dreht sich ohn' End,
Bis ihn der Rausch
Schwindelnd betäubt


Die Gewänder, Fächer, Arme, Haare waren zusammen ein Farbenkranz geworden. Als der sich endlich allmählich zu lösen begann, schien die Kraft der Tänzerin zu erlahmen, ihr Gesicht glühte wie Feuer, sie schwankte, griff um sich, und die Elfen und Zwerge, die Alle von ihren Sitzen aufgesprungen waren, glaubten, jetzt würde das wilde Kind zu Boden sinken, indessen das geschah nicht. Die zarten Knie knicken zusammen, aber der Wirbeltanz wird taumelnd fortgesetzt. Die schlanke Gestalt krümmt sich, die schwarzen Augen glimmen und funkeln; wie eine Katze, die nach Raub ausschaut, späht die Tänzende nach allen Seiten, dreht sich dabei langsamer, berührt mit Knien und Händen fast den Boden, und in einer Schneckenlinie naht sie der Mitte des Tanzplatzes. Wieder heben sich die Glieder, und die Wirbelbewegungen werden rascher, heißer, feuriger. Doch kaum hat sie sich wieder in natürlicher Größe aufgerichtet, als sie auch schon abermals in die Knie stürzt, aber dabei schnellt sie sich gleich mit aller Kraft empor und schießt wie eine Schraube hoch in die Luft, reißt dort oben die Fächer von den Schultern, schlägt und peitscht die Lüfte hastig, grimmig, um sich oben in der Schwebe zu halten. Es gelingt ihr nicht, sie sinkt in die Tiefe zurück, die roten Schleier kommen zuletzt hinab, sie prallt steif mit den Füßen auf den Erdboden und bleibt wie ein Stock stehen. Kraftlos fallen die Arme nieder, die Spitzen der Fächer berühren die Erde, die roten Gewänder umhängen schlaff die müden Glieder. Der Mond wird von den weißen Wolken verhüllt


Der Sprung mißlang,
Zur Erde sank
Das Feenkind
Zurück in die alte traurige Welt.
Zum Himmel sprang,
Zum Lichte rang
Der schwere Leib,
Doch Keiner dort oben Sinkende hält

Die Tänzerin bewegte nach kurzer Zeit wieder die Füße. Sie tanzte müde, doch so wie die anderen Mädchen tanzen. Neckisch hüpften die Zehen vor und zurück, der Oberkörper wiegte sich in den Hüften, die langen goldgelben Haarsträhnen schaukelten mit. Die Arme hielt sie über dem Kopfe, bildete Winkel mit den Ellenbogen, Schwunglinien mit allen Gliedern, warf erst das rechte Bein, dann das linke leicht in die Höhe, stand darauf mit vorgestreckten Armen auf einem Fuße. Schließlich blieb das linke Bein ständig in der Luft, und das rechte trug den Körper allein.


Wie der Fuß sich da drückt,
Wie gewandt, wie beglückt
Er sich bieget und streckt,
Die Zehe, Gelenke schmiegsam verreckt.

Die Zwerge schmunzelten, und die Elfen wollten schon Beifall klatschen, indeß das unberechenbare Mädchen brach urplötzlich ohne Grund den Tanz ab, schüttelte sich heftig, zuckte mit den Schultern, steckte die beiden Fächer zusammen unter den Arm, ballte die Faust und stampfte mit dem Fuß gegen die Erde.


Nahen die wilden
Unsichtbaren
Bösen ergrimmten
Waldesgeister?
Scheuchen sie schreiend
Höhnisch grunzend
Tanzende Feen
Fort aus dem milden
Glänzenden Mondlicht?


Verfolgt von unsichtbaren Gestalten wird die Tänzende. Sie stürmt daher, wehrt sich mit Händen und Füßen, krümmt sich verschüchtert, sinkt auf die Knie, hebt um Erbarmen flehend die Hände, rennt wieder voll Angst wie toll im Kreise. Die Zwerge schütteln den Kopf. Da scheint die Verfolgte wieder Atem zu schöpfen, mutig schreitet sie gerade aus. Nun packt sie giftiger Zorn, die beiden Fächer faßt sie mit der Rechten, so daß eine Spitze unten, die andere oben ist, wie eine Lanze hebt sie die grünen Blätter, und jetzt wird sie selbst die Verfolgerin. Eine tolle Jagd beginnt.
Ein blutgieriges Raubtier scheint die schlanke Gestalt geworden, ihre Zähne knirschen, die Augen brennen, blaue Adern blicken durch die weiße Haut, die Sehnen werden straff und die Muskeln hart. Bald durchstrahlt helle Siegesfreude das gerötete Antlitz. Die heftige Wut läßt nach. Spöttisch stoßen die Arme und Beine durch die Luft, in der besiegte Geister stöhnen.
Die Elfen atmen auf, doch nicht lange, denn ein neuer Feind muß wieder unsichtbar die Tanzende beirren und angreifen. Ihr Kopf ist in "das Genick zurückgeworfen, oben über ihr ist der böse Feind. Die Füße wollen den Erdboden verlassen, empordringen, anknüpfen, hinauf, höher, weiter, vor, fort. Der Tanz wird ein wilder Kampf, die Arme greifen gierig in die Lüfte, die Fächer fliegen zu Boden, und der ganze Körper strebt auf, von der Erde Fesseln will er sich losringen. Eckig, hastig, formlos, unbeholfen werden die Bewegungen. Wüste, wahnsinnige Begierde durchzuckt den weißen Leib, die roten Schleier hängen aufgerissen in wirren Falten. Der Wirbeltanz beginnt von neuem, ein gewaltiger Sprung folgt dem ändern, immer höher. Die weißen Glieder glänzen im Mondenschein, fliegen um her, die Beine stampfen den Boden und die Arme recken sich auf. Sie schlägt mit den Fäusten nach oben, ihr Kopt hängt tief im Genick. Allmählich versagt die Kraft.


Noch ein einziger herrlicher
Feuriger Sprung!
Zum Himmel noch einmal
Jauchzt sie empor,
Den hemmenden Geistern
Bietet sie Trotz,
Sie schlägt in die blöde
Dunstige Luft.
Doch schwer wie ein Kloben
Sinkt sie hinab,
Da bricht sie zusammen -
Springt nicht mehr.

Im Walde bewegte sich nichts, kein Laut war zu hören- nur die Zwerge flüsterten leise mit den Elfen, die mitleidig auf die ohnmächtige Tänzerin niederblickten, alsbald nach allen Seiten freundlich grüßend von dannen flogen. Sie schwebten über den glänzenden Waldsee nach den jenseits liegenden Forsten. Die jüngste der Elfen sagte, während sie ärgerlich den Kopf schüttelte:
„Warum das Kind nur fliegen will!" Die ihr zunächst fliegende Schwester meinte zustimmend: „Ich weiß nicht, warum sie nicht tanzen lernen will wie die anderen Mädchen." Schweigend schwebten sie weiter durch den mild erleuchteten bläulichen Tauduft, bis sie im Schatten der Fichtenkronen verschwanden.
Die zwölf Zwerge umstanden mit ihren Besen auf der Schulter die ohnmächtige Fee. Wie sie sich erholt hatte, halfen sie der Müden aufstehen, reichten ihr die moosgrünen Fächer und ordneten ihre himbeerroten Gewänder. Sie sah fragend umher und sprach endlich zum Ältesten: „Warum sagst Du nichts?" „War der Tanz schlecht?" Der alte Zwerg antwortete: „Wenn der Vollmond wieder scheinen wird, mußt Du noch einmal tanzen, vielleicht kann ich dann ein Urteil über Deine Kunst fällen. Du mußt zuerst warten lernen, habe nur Geduld!" Und die anderen Zwerge wiederholten das letzte Wort: „habe nur Geduld! habe nur Geduld!" Die neue Tänzerin ließ den Kopf sinken und schritt nachdenklich mit den Kleinen in das Dunkel der Wälder. Zwei Zwerge, die hinter dem Zuge zurückblieben, strichen ihren Bart, zuckten die Achseln, gingen Arm in Arm weiter und der erste murmelte: „Sie kann ja doch nicht fliegen Der zweite nickte mit dem weißen Haupte, daß der braune Zipfel der Mütze vornüber fiel, murmelte gleichfalls: „Sie kann ja doch nicht fliegen."
Auf dem Platze vor dem Klafter ist die laue Luft so still, daß das Bohren eines Holzwurmes einen Augenblick hörbar wird. Ein brauner Eichkater läuft herbei, setzt sich dicht am Abhange vorsichtig auf die Hinterbeine, spitzt die Ohren und schaut zum Himmel mit altklugen Augen auf.
Durch weiße Wolken schaut der Mond. Der Waldsee glänzt, und der Tauduft hängt im Gezweige der alten mächtigen Fichten, die groß und steif auf den Hügeln stehen und sich nicht rühren. Die grünen Kronen der Bäume zittern nicht, knarren nicht - schweigen. Es stört kein Laut den Frieden der Nacht   


    von Paul Scheerbart

Moderne Götter

Telepathisches Capriccio

aus: „Ja..was.. möchten wir nicht Alles!“
Ein Wunderfabelbuch

„Weiter! Weiter! Weiter!" So ruft der Steuermann durch die laue Nacht, in der es unablässig weiter geht... doch es geht nicht dorthin weiter, wohin der Steuermann weiter will.
Ein Luftschiff schwebt durch den Himmel, es führt aber nicht zu den Sternen hinauf, es kreist immer nur um den Erdball herum und zwar so, daß es niemals von der Sonne beschienen werden kann. Die Wesen, die auf dem Luftschiff fahren, können kein stärkeres Licht vertragen, sie freuen sich nur am milden Mondenglanz... sie leben nur in stiller Verborgenheit
Aber dem Steuermann ist es zu finster in der Nacht, die nur von Mond und Sternen erleuchtet wird... er will loskommen von der Finsternis...er will hineinsegeln in die Strahlen der Sonne. -
Forschend schaute der greise Steuermann zu dem langen Ballon hinauf, der wie eine Schlauchschlange hoch über dem länglichen Schiffe schwebte. Der Schlauch endete vorn in einen Rüssel, der sich fortwährend umherwand. Und der Alte, der das ganze Schiff steuerte, lenkte zugleich den Rüssel des Schlauches. Wie ein Fühlhorn tastete dessen Spitze vorn in den Lüften umher; bald krümmte sich der graue Luftrüssel ganz nach hinten zurück, bald stieß er hastig nach den Seiten oder nach oben, oder er reckte sich steif gradaus... es war, als sollte die Rüsselspitze die Winde prüfen, als wollte das Schiff den Wolken ausweichen.
Götter waren es, die auf dem langgestreckten Luftschiffe dahinfuhren, Götter, die durch die Allmacht ihrer Hirnkraft, durch die überwältigende Wucht ihrer Gedanken die Köpfe der auf der Erde wandelnden Menschen beherrschten,. .. die Handlungen der Menschen nach göttlichem Willen lenkten und ihre Taten und Werke von oben herab erzeugten.
Mit lustigen Sprüngen pfeifend und zwitschernd kommt der Mundschenk der Götter auf das Hinterdeck gerannt. Schon von ferne schreit er: „Alter, Alter! Kannst Du mich nicht steuern? Ich bin ja berauscht, siehst Du das denn garnicht?"... Der Alte brummt
Das Schiff saust dahin, als wenn's Eile hätte. Die Wolken sinken in die Tiefe. Die dünne Mondsichel leuchtet nur spärlich.
„Lärme nicht so! Setze Dich hier an meine Seite! Es ist nicht gut, wenn der Mundschenk so viel trinkt Du bist noch viel zu klein."
„Holla, Du Schlemmer, Du willst wohl trinken. Hier, nimm' meine Flasche... gib mir die Ruderleinen und trinke! So... so!... Wie Du heute wieder trinken kannst!"
„Sei nicht so unverschämt, Bengel!"
Nachdem der Alte noch einmal getrunken, sagt er zum Knaben: „Es wird Dir wohl auch allmählich zu finster bei uns. Hast Du schon einmal die Sonne gesehen?" „Nein, wie sieht die denn aus?"
„Denke Dir den Mond ganz voll und denk ihn Dir immer heller und heller, so blendend und glänzend, daß Dir die Augen schmerzen, daß die Sterne verlöschen vor dem strahlenden Licht, daß die Wolken ganz weiß werden... und die Erde leuchtet! Denke Dir alles Licht der Welt zusammen und Alles ganz bunt und frisch - weißt Du nun schon, wie es sein könnte? Rote, gelbe, grüne Farben denke Dir ganz hell, als wären sie von dem Götterlicht erleuchtet!"
Der Alte zieht an einem Draht, und an der Spitze des Schiffes blitzt das Götterlichtauf... wie eine Strahlenkerze... mittendrin ein weißglühender Glanzkern, der das ganze Schiff viel heller als Mondlicht bescheint
Die Götterbarke war ein stattlicher Luftsegler. Neben den Bordflanken des langen Kahnes schaukelten viele kleine Gondeln, in denen die Götter bei ihrer Arbeit saßen.

Das Schiff musste jetzt an einem hohen schneebedeckten Gebirgskegel vorbeigesteuert werden. Der Steuermann griff somit wieder zu seinen Drähten und Tauleinen, riß den grauen Rüsselschlauch zur Seite und spannte die braunen Segel auf, die sich unter dem Schiffe befanden - eine Verlängerung des Barkenkieles waren. Wie mächtige Fischflossen staken die vielen Segel unter dem Luftkahn, sie bewegten sich nun heftig und warfen das Fahrzeug zur Seite. Der Mundschenk wunderte sich wieder über die Kraft der großen Segelflossen; er konnte nie begreifen, wie das Schiff mit diesen Segeln gesteuert werden konnte... jedoch darüber dachte er jetzt nicht weiter nach, denn etwas Andres nahm seine Aufmerksamkeit in Anspruch.
Beim Scheine des Götterlichtes war das kleine Waschmädchen auf das Verdeck gestiegen und hatte sehr eifrig begonnen, den feingefugten Dielenboden blank zu scheuern. Sie beeilte sich nach Kräften, da sie die Sessel und Tische noch zu putzen hatte; wieder war so viel Meteorstaub auf das hellgelbe Holz gefallen, daß das arme Mädchen recht seufzen mußte über die Arbeit „Wenn ich schon die Sternschnuppen seh', so wird mir schon immer das Herz schwer, denn dieser Meteorstaub ist ja ganz entsetzlich." Dabei scheuerte das Waschmädchen der Götter noch heftiger die Dielen, denn sie sah wohl ein, daß durch das bloße Seufzen nichts gebessert würde. Der Mundschenk sah zu... Während dessen ärgerte sich der Alte, daß der Knabe vorhin gar keine Antwort gegeben hatte.
„Meinst Du denn, alte Leute reden zum Spaße mit solchem Knirps, wie Du einer bist? Kannst Du Dir nun schon einen Begriff machen, wie das / Sonnenlicht wirkt? Nein?"
„Ach so, bester Steuervater, werde nicht gleich so böse. Sieh nur, ich dachte, Du müßtest noch immer steuern, und daher schwieg ich, um Dich nicht zu stören."
„Ich kenne Dich schon, Du hast nur nach dem Waschmädel geschaut"
„Meinst Du? Jetzt muß ich Dir aber zuerst antworten... Jawohl, ich kann mir einen sonnenklaren Begriff vom Sonnenlicht machen... so klar ist mir's, daß mir die Augen schmerzen. Du, weißt Du, fahr' doch nach der Sonne hin... so gern möcht ich sie einmal sehen. Bitte, tu' mir den Gefallen, Du kannst auch diese volle Rasche ganz allein austrinken."
Da schmunzelte der Alte, nahm die Flasche und trank, dann aber sprach er bedächtig und traurig:
„Die Götter wollen doch nun einmal nicht zur Sonne fahren. Wie soll ich sie dazu überreden?"
Die letzten Worte hatte das Waschmädchen gehört, sie hielt in ihrer Arbeit inne, blickte rasch auf, strich sich die Locken aus der Stirn und meinte hastig: „Warum könnt Dir denn nicht auch 'mal die Götter beeinflussen? Wenn die da in ihren Gondeln alle Menschen beeinflussen und ihnen immerwährend die neuen Gedanken eintrichtern, dann könnt Ihr doch auch 'mal die Götter lenken. Ich dachte schon lange daran, 'mal die Sonne zu sehen." Und das Mädchen putzte weiter die Dielen - eifrig - in Hast, denn bald mußten die Götter ihre Gondeln verlassen und aufs Verdeck steigen, da sollte dann immer Alles rein sein.
„Du, Alter, hast Du gehört, was die Kleine sagte? Hm? Ja? Na, wollen wir den Göttern den Kopf verdrehen? Du, das wird ein Spaß." Und der Mundschenk lachte, das Waschmädel kicherte, der alte Luftfahrer strich sich den Bart und sann nach. , /
„Wie wollt Ihr das nur anstellen?" fragte der Alte nach einer Weile. Das Waschmädel richtete 'sich danach erregt auf und flüsterte, mit den Händen herumfuchtelnd, dem Mundschenk etwas leise vertraulich in's Ohr, bis der Schlingel zustimmend und verschmitzt lachend mit dem Kopfe nickte. Der Alte lenkte das Schiff.
Währenddem kletterten die Götter aus ihren Gondeln heraus an Bord. Das Waschmädel lief nach unten in die Küche, der Mundschenk schritt mit würdevollen Bewegungen den Göttern entgegen und verneigte sich vor ihnen... das Haupt bis an die blank gescheuerten Dielen niedersenkend.
Hiernach begrüßten sich die Götter gegenseitig, indem sie sich feierlich freundlich die Hände schüttelten und einander lebhaft fragten:
„Wie geht's?" „Gut, sehr gut, vortrefflich", lautete die Antwort. Nach dieser Begrüßung setzten sich die Herren auf die bereit stehenden Sessel an die verschiedenen Tische. Das Götterlicht glänzte vorn so niedrig, daß die Tischplatten sämtlich im Schatten lagen, doch die goldenen Zackenkronen der Götter funkelten sehr prächtig, und die würdevolle Ruhe der großen Gestalten wirkte fast ergreifend vornehm.
Der Büßergott, der Denkergott und der Kriegsgott - diese drei saßen ganz vorn in nächster Nähe des großen Barkenlichtes. Der Erste sagte:
„Wir Drei sind die Götter der Zukunft." Der Zweite wiederholte diese Worte, der Dritte gleichfalls. „Unser Einfluß wird immer größer", meinten sodann die Drei bestimmt und einstimmig.
Der kleine Mundschenk ging von Gott zu Gott, füllte Jedem die hohen Gläser und betrachtete voll Ehrfurcht die roten Gewänder der Götter. Diesem und jenem rückte der Kleine die goldene Zackenkrone zurecht.
Rund um den runden Mitteltisch haben sich die drei Traumgötter mit den drei Göttern der Nüchternheit niedergelassen. Diese Sechs wollen einen Bund schließen, doch sie werden noch immer nicht einig. Obschon sie wissen, daß sie nicht zusammen passen, bleiben sie doch eng befreundet, da ihnen der Unterhaltungsstoff niemals ausgeht. Sie glauben, daß ihnen die Gegenwart gehört.

An den übrigen Tischen sitzen im erregten Kampfeshader die Götter der Dichter und Künstler... sie sind sämtlich mit einander verfeindet, und jede Zusammenkunft endet stürmisch. Einer dieser Götter lacht fortwährend, und Einer sieht sehr gleichgültig aus, er schweigt viel - doch gräßlich grob sind die Schweigenden.
Der hagerste Gott entwickelt gewöhnlich die kühnsten Pläne - tolle Dichtungen, bei denen dem Leser ganz wirr im Kopf wird, die liebt er am meisten.
Die mit den langen Bärten wollen das Reizvolle, die Bartlosen das Sinnvolle in Kunst und Dichtung bevorzugt wissen - jene sind mehr sinnlich, diese mehr Denker und kühl. Auch unter diesen beiden Göttergattungen herrscht niemals Einigkeit.
Die Dichterfreunde pflegen sich zu ärgern, wenn der Mundschenk nicht rasch genug die Kanne schleppt... sie freuen sich nur mit den Künstlerfreunden zusammen, wenn der Wahrheitsgott gefoppt wird. Dieser Gott - der sich nur noch unter den Dichtern halten kann - ist schon seit langer Zeit die Zielscheibe blutiger Witze, doch das hat sein Selbstbewußtsein nicht erschüttert. Er trinkt kräftig, denkt einfach und redet immer dasselbe... stets sieht er gesund aus.
Zutraulich plaudern die Geheimnisvollen mit den Tiefsinnigen... doch das hat nichts zu bedeuten. Die Begehrlichen zanken sich dicht daneben recht eifrig mit den Willensmüden.
Große Achtung haben sich die Geisterfreunde zu erwerben gewußt. Das sind die Götter mit den größten Augen.
Alle diese Köpfe gehören den Göttern der Künstler und Dichter, sie haben sich zu einem Bunde vereint... dieser Bund beherrscht das ganze Schiff, denn derselbe besitzt dreimal mehr Mitglieder als alle übrigen Götter zusammen.
Jetzt steigt der kleine Schenk mitgemessenem Schritt auf das erhöhte Hinterdeck, wo einsam und selbstbewußt die Baugötter thronen, sie trinken und reden wenig... sie haben viel zu tun - die Kunst der Baumeister beherrscht noch nicht die anderen Künste. Bald wird sie aber herrschen, und dann sind die Baugötter die Herrscher der Welt - also denken diese Stolzen. Wie sich der Mundschenk ihnen so ehrfürchtig naht, da hoffen sie grade wieder auf einen großen Sieg. Vor ihren Blicken steht klar und groß die Kunst der Zukunft, in der Jedem in den herrlichsten Bauwerken die wahre Heimat geschaffen werden soll, die Jedem gestattet, nichts Anderes zu tun als rein und ungestört zu denken, zu empfinden und zu fühlen. Doch die Baugötter gehören nicht zum großen Künstlerbunde.
Es entsteht ein Gedränge, die Stimmen der Götter schallen plötzlich lärmend durch die Nachtluft... Die Götterbotenwerden in Gondeln aus der Tiefe zur Barke emporgezogen.
Jeder Gott stürzt auf seine Boten zu, des Fragens und Scheltens ist kein Ende. Jeder will wissen, ob sein Einfluß auf dem Erdball erstarkt sei, ob die Gedanken der Götter auch ordentlich von den Menschen nachgedacht werden, ob man auch wirklich nach göttlichem Willen lebt und strebt. Große Freude herrscht dort oben, wenn die Menschen fein fromm sind; doch auch Klagen ertönen auf dem göttlichen Luftschiff.
Klagend und händeringend rennen die Staatsgötter umher. Traurig schütteln die Wissenschaftsgötter ihr gekröntes Haupt. Sowohl diese wie die ersteren fühlen zu ihrem Entsetzen, daß ihre Macht geschwächt ist, daß sie nicht mehr das Zepter halten können wie einst, daß sie der Verzweiflung nahe sind; ihre Kraft ist erschöpft, und der Mundschenk muß ihnen immer mehr Wein in die großen Gläser füllen, worüber der Kleine sich freut wie ein Dieb... vergnügt reibt er sich die Hände, wenn ihn die alten Grauköpfe nicht sehen.
Die Staatsgötter sind Greise, die Wissenschaftsgötter klagen auch schon über graue Haare, müde Augen und zitternde Hände.
Nur Einer geht stolz im wehenden roten Mantel umher, nur Einer ist vollständig durch seine Boten zufrieden gestellt - das ist der Gott der Freiheit - er ist groß und breit wie ein Riese.
„Allmählich", ruft er lachend, „kommen alle Menschen zu der Überzeugung, daß man am besten tut, wenn man Alles so gehen und laufen läßt, wie es eben gehen und laufen will. Die Menschen brauchen keinen Staat und sie brauchen keine Wissenschaft und Kunst, wenn sie nur leben können, wie's ihnen gefällt. Ich bin der größte Gott! Es lebe die Bedürfnislosigkeit und es lebe die Freiheit!"
Der Büßergott drückt dem Redner ernst die Hand, der Kriegsgott klopft ihm froh auf die Schulter, und dem Denkergott blitzen die Augen auf in teuflischer Lust, und er brummt dabei:
„Das ist ein Sieg der Denker, nicht Dein Sieg, Du alter Freiheitsvater!"
Die Boten empfangen ihre Aufträge, trinken noch schnell einige Weinkannen aus und springen dann wieder in ihre Gondeln, in denen sie rasch zur Erde hinabschaukeln. ^
Die Götter klettern auch wieder in ihre Gondeln, ergreifen dort ihre silbernen Fäden und beginnen von neuem ihre Gedanken und ihren Willen den Menschen einzuflößen... sie bieten wiederum ihre ganze Nervenkraft auf.
Die Arbeit der Götter ist schwerer als Steine klopfen.
Aus den einzelnen Göttergondeln hängen lange Büschel silberner Fäden bis auf die Erde hernieder. Diese feineingesponnenen Fäden schleifen den Erdboden; dadurch teilen sich die Gedanken der Götter, die diese Fäden oben in den Händen haben, der Erde mit, und von der Erde steigen die Gedanken in die Köpfe der Menschen - jeder Gedanke, jede Vorstellung erzeugt eine bestimmte Nervenbewegung, eine bestimmte Bewegung des ganzen Körpers; diese Bewegung teilt sich eben durch die Fäden den Menschen unten mit, und die Menschen empfangen sonach wieder dieselben Vorstellungen, durch welche die Bewegung veranlaßt war... so denken die Götter den Menschen die Gedanken vor - die kräftigsten Gedanken werden natürlich •am leichtesten auf die Erdbewohner übertragen.
Und der Mundschenk hatte zum Freiheitsgotte so im Vorübergehen flüsternd gesagt: „Weißt Du, ich find's recht langweilig, daß Ihr immerfort die Menschen regieren wollt Fahrt doch mal in die Welt hinaus zur Sonne oder sonst wo hin. Laßt doch die Menschen denken und tun, was sie wollen - das willst Du doch auch so. Möchtest Du nicht einmal zur Sonne fahren? Der Steuermann tut's sehr gern, wenn wir's ihm sagen." Da hat der Gott herzlich über den Kleinen gelacht und ihm herzlich zugeraunt: „Du machst mir Spaß." Darauf gingen aber gleich die Götter über Bord und begannen wieder zu arbeiten wie sonst
Als nun das Verdeck wieder ganz vereinsamt ist, da schleicht das Waschmädchen vorsichtig aus der Luke heraus, pfeift leise den kleinen Schenken heran und flüstert ihm was in's Ohr. Hierauf klettern beide an den Tauen, mit denen das Schiff an den grauen Rüsselschlauch gebunden ist, nach oben... jeder von einer anderen Seite. Wie sie oben auf dem Schlauche sind, sehen sie sich wieder und nicken sich kichernd zu. Sie kommen sich so nahe, daß sie mit dem Kopfe zusammenstoßen und liegen nun auf dem Bauch da - ganz ruhig. Sie greifen die silbernen Fäden, die sämtlich oben zusammenlaufen, fassen sie fest an, und dann rufen sie: „Jetzt!"
Während sie da so liegen, denken sie mit all er Kraft, und sie denken nichts weiter als „Licht, Licht, Sonnenlicht!" Bald merken das die Götter, sie werden in ihrer Arbeit gestört, sie werden beeinflußt von ihrem Waschmädchen und "ihrem Mundschenk, die höher denken als die da unten in ihren Gondeln. Schließlich rufen die Götter heftig „Licht! Licht!" Und da der Steuermann das vordem ausgelöschte Barkenlicht nicht wieder anzündet, so klettern alle Götter an Bord und schreien wütend die Fäuste ballend den armen alten Steuermann an. Der aber sitzt ruhig da und glaubt, die Götter seien wahnsinnig geworden... und er ruft in seiner Angst nach dem Mundschenken, damit der - den Wein bringt... zur Beruhigung. Der Mundschenk kommt natürlich nicht, und das Waschmädchen ist auch nicht zu finden. Nun werden die Beiden von den Göttern gesucht, denn der Steuermann ruft immerzu: „Sucht den Mundschenken! Der wird Euch Licht anzünden! Mundschenk! Mundschenk!"
Natürlich finden dann die Götter endlich die Beiden da oben auf dem Schlauch, die würdigen Herren merken den Spaß und verprügeln die naseweisen Kinder, wie sie es verdienen.
Jetzt erst merkt der arme alte Steuermann, daß die Kinder ihm einen Gefallen tun wollten,und da wird er allsogleich furchtbar betrübt. Das hilft aber nichts. Die Kinder haben ihre Schläge bekommen, und die Götter gehen wieder an die Arbeit
Schmollend steht der Mundschenk vorn vor dem jetzt wieder brennenden Barkenlicht. Der Kleine sieht ärgerlich in die Tiefe und denkt bei sich: „Wenn die Götter so dumm sind und sich nicht einmal einen freien Genuß verschaffen wollen, wenn sie immer und ewig nur den .- Menschen was vordenken wollen und nicht ein einziges Mal für sich selber leben wollen, dann mögen's die dummen Götter bleiben lassen. Wie froh bin ich nur, daß ich kein Gott bin!" Er schüttelt die blonden Locken und zupft seinen zerknitterten schwarzen Sammetkittel zurecht, blickt über Bord und überlegt, ob er sich nicht lieber hinausstürzen sollkopfüber - doch er tut es nicht Das Waschmädchen ist in der Küche -scheuert wieder - weint sich aus. Der Steuermann weint auch beinahe - murmelt aber immer noch wehmütig, indem er an die Sonne denkt:
„Weiter! Weiter!"


    von Paul Scheerbart

Der galante Räuber
oder
die angenehme Manier

Ein Garten — Scherzo

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!

Halt! rief der Hauptmann.
Und dreißig blanke Flinten drehten sich der Gesellschaft zu.
Der Herr Graf ließ sein Glas fallen, daß es auf seinem Knie zerschellte und die gelben Stiefel mit Rotwein besprengte.
Sechs Damen fielen aufkreischend in Ohnmacht, die Kavaliere erbleichten und griffen nach ihrem Portemonnaie.
»Nicht so schnell, meine Herren!« sprach der Hauptmann, »Ich' verachte Ihr Geld. Sie irren sich in mir. Knoppke, lege den Herren die Handfesseln an. Herr von Rabenwitz wird sich die Ehre geben, die ohnmächtigen Damen mit Arabiens Wohlgerüchen zu besprengen.«
Der Vollmond stieg dunkelrot hinter dem Schwanenteich aus den Fliederbüschen heraus, und die beiden Räuber taten, was ihnen ihr Gebieter, der sich—eine gute Ci—garre anzündete, befohlen hatte.
Als nun die sechs Damen wied» erwachten, verbeugte sich der große Räuberhauptmann artig wte ein Page und sprach sanft wie eine Taube zur Gräfin: »Meine Gnädigste, wir wollten uns die Ehre geben, Ihnen eine kleine Überraschung zu bereiten. Als Lohn bitte ich nur, mir eine einzige kleine Bitte zu gewähren. Ist sie gewährt?«
Die Gräfin neigte höflich bejahend ihr Haupt, denn sie war doch neugierig.
Und mehrere Räuber verließen die Gesellschaft, bestiegen den großen Kahn und ruderten bis in die Mitte des Schwanenteiches.
Die Gesellschaft, die in einer wild zerklüfteten Felsengrotte unter schwankenden Lampions saß, erholte sich ein bißchen, denn die übrigen Räuber zogen sich mit ihren Flinten hinter die Rosenbüsche zurück. Der Herr Hauptmann nahm auf einem Schaukelstuhle Platz. Lieblich dufteten die Rosen.
So sah man denn erwartungsvoll in den Teich, der vom roten Monde unheimlich erleuchtet wurde.
Da pufft es plötzlich auf dem Teich, und schillernde große Gasblasen — grüne und blaue — steigen langsam in den schwarzen Nachthimmel empor.
Die runden großen Gasblasen zittern, die grünen und blauen Wolkenwirbel im Innern der Blasen ziehen ab, dehnen sich aus, zucken und drängen sich zusammen — und dann platzen die feinen Luftballons — wie Seifenblasen — und dicke sanfte Perlen fallen wie Schnee aus ihnen heraus — langsam in den Teich.
Der Hauptmann bietet der Gräfin den Arm und geht mit ihr ein paar Schritte seitwärts.
Der Graf springt auf, rüttelt an seinen Handfesseln, rollt die Augen und ist wütend für Sechs.
Aber die Gräfin kommt gleich wieder .und lächelt — sie hat allerdings ihr Perlen—Kollier, das einen halben Zentner Gold gekostet hat, nicht mehr bei sich.
Der Graf setzt sich wieder. '
Und der Hauptmann wendet sich nun an die Damen, die schwarzes Haar haben (zwei sind's nur), und feierlich spricht er: »Meine gnädigsten Damen, auch Ihnen wollen wir eine Überraschung bereiten. Sie werden fühlen, daß ich nur ein kleines Andenken möchte — und mir's nicht abschlagen; — nicht wahr?«
Die Damen nicken hastig, denn sie sind noch neugieriger als die Gräfin.
Und zwei Raketen steigen aus dem Schwanenteich, sie
teilen sich oben in sieben Arme, aus deren umgebogenen Spitzen dicke rote Tropfen, die wie Blutstropfen aussehen, schnell herunterstürzen.
Die schwarzen Damen erschrecken, Herr von Rabenwitz besprengt sie aber mit duftigem Olivenwasser.
Die Schwarzhaarigen ziehen ihre Ringe vom Finger und machen auch die Ohrringe los, geben Alles dem guten Hauptmann, der das Empfangene dankend einsteckt, doch gleichzeitig bemerkt, daß er auch die im schwarzen Haare befindlichen Haarnadeln als Andenken haben möchte. Er bekommt auch diese Haarnadeln, an denen unzählige Rubinen blitzen.
»Wollen Sie nicht«, fragt der Graf, »ein Glas Wein trinken? Leider ist meine Bedienung nicht hier.«
Der Hauptmann lächelt, zuckt mit den Achseln und sagt leise: »Verliebte trinken nicht, Herr Graf! Jetzt kommt die Überraschung für die drei Blonden.«
Und da knattern auch schon drei große Sonnen los —das funkelt und blitzt — das knistert und knackt — das poltert und rumort — wie echte Rebellen.
Die Sonnen drehen sich und schleudern brennende Diamantgarben nach allen Seiten.
Der Hauptmann erhält derweil von den drei Blonden alle Pretiosen, die sie bei sich haben, als Andenken.
Und er küßt den Damen sämtlich zärtlichst die Hand und blickt ihnen ernst und traumsüß ins Auge.
Und dann verschwinden die Räuber — lassen die kleine Gesellschaft wieder allein.
»Das war ja entzückend — brillant!« rufen die Kavaliere, denn ihnen hatte man nichts abgenommen.
Aber die Damen sind ganz verwirrt.
Der Graf ruft polternd: »Nun macht uns mal die Fesseln los. Man muß nicht immer nur verliebt tun.«
Die Damen werden noch verwirrter, tun aber trotz ihrer Verwirrung, wie der Graf gebot. Die Damen sind rot wie Rotwein. Der Vollmond leuchtet Allen hell, ins Angesicht.


    von Paul Scheerbart

Die Helden

 

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!


Wahrlich! Da saßen die Helden mit ihren blanken Schwertern und mit ihren glänzenden Augen, in ihren prächtigen
Mänteln auf den schweren Sesseln.
Die Helden sprachen lange kein Wort. In dem kleinen dunkelgrauen Zimmer hörte man nur
die große, alte Uhr langsam hin und her ticken.
»Wir haben's vorausgesehen!« begann endlich der stille Blonde.
Es mußte so kommen!« sagte ein Anderer. »Wir haben lange genug geschwiegen!« brummte ein
Dritter?
»Unsre Geduld ist gerissen?« rief ein Vierter.
»Allzugut ist dumm!« flüsterte ein Fünfter.
Dann erhoben sie sich von ihren Sitzen und schwuren
sich ewige Treue — ewige Treue gegen den alten Feind —
den Geschäftsmann.
Und sie zogen aus mit ihren Mannen und schlugen den
Geschäftsmann tot.
»Das war keine Heldentat!« sagten sie nachher. Und es war doch eine Heldentat — sogar ihre größte
Heldentat.


    von Paul Scheerbart

Gerettet!

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!


Es lehnen sich unzählige Riesen, die gestrandet sind, an eine alte zackige ganz steile Steinwand. Die messerscharfen Zacken der Wand schneiden in das Fleisch der Gestrandeten, daß es schmerzt.
Aber es heißt: stillhalten — oder abstürzen! Die wild an die Steilwand anprallenden Meereswogen spritzen den Riesen oft in die Augen. Es heißt: Stillhalten!


    von Paul Scheerbart

Lachende Giraffen

Ein Schattenspiel

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!

Es ist sehr dunkel und sehr still in der Wüste.
Doch das hält nicht lange an. ; , ,
Es knistert plötzlich, und hinten wird der Himmel rot — dunkelrot — weinrot!
Durchsichtig ist der weinrote Himmel — aber hinter ihm ist nichts zu sehen — gar nichts zu sehen.
Dagegen sieht man vor dem weinroten Himmel was: von rechts und von links kommen riesig große schwarze Giraffen heran und schreiten gravitätisch — albern mit dem Kopf nickend — der Mitte zu. .
Und die großen schwarzen Giraffen lachen furchtbar hochmütig, denn sie halten sich für das auserwählte Geschlecht — auf Erden ist nicht ihresgleichen. Sie, die großen schwarzen Giraffen, kommen mit ihren Köpfen dem Himmel am nächsten. Auf Erden kann kein Geschöpf den Kopf höher tragen.
Die Giraffen nicken sich albern zu, lachen und tun gräßlich vornehm. Sie spazieren auf und ab und begrüßen sich immerzu — wie Gigerls auf der Promenade.
Oh! Diese Giraffen! Nein!
Die Erde ist schwarz, die Giraffen sind schwarz, und der Himmel ist weinrot. Die Riesenwespen aber, die jetzt von oben herunterfliegen, sind gelb wie blühende Butterblumen.
Die gelben Riesenwespen stechen den Giraffen in die Nasen, die von den dummen Tieren viel zu hoch getragen werden.
Oh! Da verändert sich das Promenadenbild.
Die Giraffen nicken nicht mehr, lassen auch das Lachen sein — sie springen wie Riesenflöhe hoch in die Höhe — recken die Hälse wie Elefantenrüssel — hampeln mit den Beinen herum, als wenn sie Pyramiden besteigen wollten — schnauben Wut — stecken die Köpfe in den Sand wie der Vogel Strauß — springen dann wieder wie Riesenflöhe — —— kurzum: sie sind wild, verfluchen die Wespen und rekken die Hälse nach allen Seiten. Sie krümmen den Hals, daß man glauben könnte, sie wollten sich ganz und gar in toll gewordene Schlangenleiber verwandeln.
Die Giraffen verrenken ihre Glieder, als wenn sie verrecken möchten.
Indessen — nur ihr Gelächter verreckt in der Ferne —wie ein sterbender Föhn — wie ein sterbender Föhn!
Es wird grausig — das Schattenspiel!
Der weinrote Himmel leuchtet mächtig auf, als wollte er sagen: »Es ist leichter, seine Nase in ein Weinglas zu stekken — als in den Himmel!«
Die Giraffen gehen jammernd und geduckt rechts und links ab.
Die heißen Tränen der großen Tiere zischen im Wüstensande — wie verprügelte Klapperschlangen.


    von Paul Scheerbart

Ein stiller Abend

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!

Ich möchte so gerne fort, aber ich weiß nicht — wohin.
Ich möchte weit übers Meer und ferne Länder sehen aber eigentlich liegt mir auch nichts daran.
Der Abend ist sehr still.
Ein stiller Abend!
Ist das mein stiller Abend?
Mir ist so, als wollte ich noch einem Menschen herzlk die Hand drücken — aber ich kenne die Menschen nie! mehr — und sie kennen mich auch nicht.
Die Luft ist milde und weich.
Und ich fühle, daß ich allein bin.
Ich habe mir das Alleinsein immer gewünscht — aber ist mir doch nicht so recht.
Wenn der Abend nicht wäre!
Es stirbt was in mir — immer wieder stirbt was in mir und das schmerzt so sehr.
Eine Hand! Eine Menschenhand! Nur noch ein Mal!
Ich fürchte nur, es ist zu spät.
Die Hand, die ich suche, ist wohl kalt — eine Totenhand


    von Paul Scheerbart

Kirowátti

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!

Kirowátti, ein mordsmäßig großer Nebelfleck mit fünfzig Centralsonnen, wußte nie, was er vor Langerweile anfangen sollte. Er hatte über Alles genugsam nachgedacht, hatte Alles gesehen, was in der Welt zu sehen war, und hatte das Denken und Sehen allmählich dick bekommen.
»Halt!« rief er da eines Abends, ich weiß, was ich mache:
ich male mir eine Welt aus, die's noch nicht gibt — das ist ein ausgezeichneter Spaß!«
Und er schuf sich ein Traumreich. Und von seiner Umgebung merkte er bald nichts mehr! Ein feiner Spaß!


    von Paul Scheerbart

Trauermarsch

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!


Langsam schreiten die Gerippe, klappern im Takte mit ihren Knochen, schreiten schweigend mit Fackeln in der Knöchelhand durch die Straßen der großen Stadt.
Es ist Nacht. Alles sehr einsam, und von Zeit zu Zeit erschallt wieherndes Gelächter.
Sind's die Gerippe, die so scheußlich lachen? — oder lachen die Menschen, die aus den Fenstern rausgucken und dem Trauermarsch der Knochenleute so blöde nachstarren?
Die Fackeln — die brennenden Fackeln — stecken sich jetzt die Toten in den Mund — und die ganzen Schädel fangen an zu brennen.
Wieder wieherndes Gelächter!
Die Toten aber schreiten mit ihren brennenden Hirnschalen ruhig weiter — wie alte Soldaten.
Still geht's mit den Fackeln im Munde zur Stadt hinaus.
Und dann lacht es wieder so schauerlich ...
Wer lacht denn bloß?
Lach' ich selbst?
Ich bin ganz ernst — wie stets!
Ich glaube: die große Stadt lacht.
Schlechtes Publikum!
Auf dem braunen Kamel saß ein kleiner Affe.
Der Affe hatte ein rotes Röckchen an und blickte neugierig nach allen Seiten herum, wie das so Affen zu tun pflegen. ' '
Aber die beiden Tiere waren auf einer einsamen Landstraße, wo's keine Zuschauer gab.
Da machten sie denn den Krähen ihre Spaße vor. Die Krähen flogen in großen Scharen vorüber und hielten sich nicht auf. . ,
Wie sich manche .Tiere an die Menschen gewöhnen können!
»Schlechtes Publikum!« brummte das Kamel.


    von Paul Scheerbart

Nackte Kultur

Schwarzer Spaß

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!

Schwipp! Da flogen die schwarzen Zylinder, die weißen Bäffchen, die Trikots und Chemisettes, die Frackschöße und die Armelröcke, die Strümpfe, Krinolinen und alle die ändern Höllenhüllen auf die großen Scheiterhaufen rauf.
Die Flammen loderten majestätisch zum afrikanischen Himmel empor, und die schwarzen Herren und Damen aus Afrika umtanzten die lodernden Flammen wie die Besessenen.
Nackt waren die schwarzen Menschen — splitternackt.
Zehn Volksredner aus Europa hatten es fertiggebracht, ganz Afrika zu revolutionieren.
»Schwarze Menschen!« hatten die Volksredner gesagt, »Ihr müßt eine neue Kultur begründen. Laßt Euch von den Europäern nichts weiß machen. Die Europäer sind mit ihrer unnatürlichen Kultur sehr unzufrieden, da die vielen Kleidungsstücke den ganzen Menschen beengen. Werdet wieder nackt, wie ihr einstmals wäret — und Ihr werdet plötzlich an der Spitze einer neuen Kultur stehen — an der Spitze der nackten Kultur — der >natürlichen< Kultur — die dem Menschen gestattet, frei zu leben — frei von allem Plunder. Es lebe hoch der nackte Mensch mit der splitternackten Kultur! Hört Ihr schon was näherkommen? Hört Ihr's noch nicht? Es sind die Maler und Bildhauer, die da kommen! Sie eilen aus allen Erdteilen herbei und wollen sich bei Euch niederlassen — da sie im nackten Menschen das echte wahre Kulturideal erblicken. Das Fleisch ist der große Trumpf der Natur — die Kulturauster — also — hoch das schwarze Menschenfleisch! Hoch! Hoch!«
Und die Schwarzen entkleideten sich allesamt — und


    von Paul Scheerbart

Feuerblumen

Ruinenspaß

aus: Meine Tinte ist meine Tinte!ß

Der Himmel war schwarz wie schwarzes Glas. Durch den finsteren Qald gingen zwölf Zwerge — die waren alt. Sie kamen an einen großen Berg — der war hart. Der harte Berg stand dicht am Meere. Das Meer aber lag da — noch dunkler als der schwarze Himmel — auch sowie blankes schwarzes Glas. Die Schaumschlangen blitzten im schwarzen Wasser immer wieder weiß auf, wie lange badende Geisterlaken.
Auf den Spitzen des harten Berges ragten uralte Burgruinen in den schwarzen Himmel hinein. Ein viereckiger, hoher, breiter Turin starrte mitten drin empor. Kleine Türme mit Rabennestern und Graspolstern erhoben sich rechts und links, vorn und hinten.
Zerklüftete Söller hingen an den Abhängen — ein paar Glasscherben staken in den Mauerritzen . . .
Die zwölf Zwerge zündeten ihre kleinen Laternen an. Es ward nicht sehr hell — doch die Zwerge wollteil sich nur ein paar gute Plätze suchen. Die alten Männchen kletterten mit ihren Laternen durch Geröll und Schutt bis an die Söller hinauf. Hier versammelten sie sich, setzten sich auf eine zerbröckelte Mauer und leuchteten sich mit den Laternen ins Gesicht. Friede lag auf ihren alten Gesichtern.
Die Zwerge saßen mit dem Rücken gegen das Meer.
»Nun?« fragte der älteste.
»Hm!« sagten die anderen.
»Hier können wir sitzen«, meinten zwei Zwerge, die sich zärtlich umarmt hatten.
»Hier können wir träumen«, riefen alle wie erleichtert aus.

Alle nickten mit den Köpfen, daß die weißen Bärte auf und nieder wehten. Alsdann kletterten alle einzeln oder zu zweien weiter; und bald saß auf jedem Turm ein Zwerg, und auf den Söllern saßen immer zwei zusammen.
Alle pusteten drauf ihre kleinen Laternen aus, schauten schweigend in die schwarze See hinab und beobachteten die weißen Schaumschlangen, die wie badende Gespensterlaken auf den Wassern aufblitzten.
Nicht lange hatten die Zwerge so dagesessen und geträumt . . . bald knisterte was in den zerfallenen Türmen —
Und aus dem dicken viereckigen Turm, der mitten drin im Gemäuer emporstarrte, züngelte eine hellgrüne Lichtzunge langsam in den schwarzen Himmel hinein.
Langsam, weich schwankt das grüne Licht immer höher und höher — sieht aus wie ein dünnes langes Flammenschwert — aber sanft ist es — sanft.
Hiernach empfängt der schlangig gewundene Lichtstreif — eine schmale Blattform . . .
Breiter wird das Lichtblatt.
Und bald ist es rund: eine große Lichtscheibe, die olivgrün wird und immer sanft hin und her schwankt.
Aus dem Rande des Lichtblattes züngeln dann kleinere Flammenspitzen vor, die alsbald auch länger und länger werden.
Allmählich entwickelt sich ein riesiges olivgrünes Fächerpalmenblatt.
An den langen Spitzen bilden sich kleine violette Glockenblumen — die schaukeln an den olivgrünen Lichtstengeln.
Die Zwerge sitzen still und starren ins schwarze Meer —dort spiegelt sich ganz kraus das große Feuerpalmenblatt. —
»Was mag daraus werden?« fragt ein kleiner Zwerg.
Die anderen sagen: »Still! still!«
Ein alter aber flüstert lächelnd: »Nun? Träumt es sich nicht gut bei diesen Feuerblumen? Wo wär's besser? Wir ruhn am Busen der Vergangenheit. Selbst Ruinen haben noch ihr Leben: sie leben ein Feuerleben in dunkler Nacht. Die seltsamen Blumen, die aus diesen zerfallenen Türmen emporzüngeln, sind die ewigen Träume jener untergegangenen Welten und Wesen, die einst hier anders lebten. Was die uns jetzt sagen, werden wir natürlich nicht ordentlich verstehen. Aber das längst Verfallene lebt —lebt ewig — immer — lebt ein müßig spielendes Traumleben.«
»Das müßig spielende Traumleben ist das wahre Leben!«
Also hallt es leise zurück — auf den Türmen und auf den Söllern.
Die Zwerge sitzen still und träumen — beim milden Feuerblumenschein, der so wackelt. Der Himmel ist ganz schwarz, und auf den Meereswogen spiegelt sich das Flammenspiel.
Lange schon vergessene Geschichten und altbackene Gedanken erheben ihr altes Haupt.
Die Feuerblütenträume längstverwehter Zeiten spielen unter dem tiefschwarzen Himmel, spiegeln sich kraus auf dem tiefschwarzen Meer.
Die weißen Schaumschlangen verschwinden.
Das Meer wird so spiegelglatt wie der Himmel.
Und das Lichtblatt mit den Glöckchen wackelt nicht mehr.
Die kleinen violetten Glockenblumen werden größer —und — falleil ab; sie schweben schräge hinunter ins schwarze Wasser hinein.
Doch dort unten auf dem düsteren Spiegel hüpfen die violetten Glockenblumen wie Irrlichter, die sich necken wollen. Sie hüpfeil und springen — von rechts nach links –von hinten nach vorn — auf und ab — vor — zurück — immer lustig — neckend!!
»Ja, das sind Urgroßmütter!« sagte der eine Zwerg, der immer die Augenbrauen emporzieht.
»Ach, was weißt Du davon?« ruft ihm sein Nachbar zu.
Die violetten Glockenblumen hüpfen auf der schwarzen See.
Als aber das olivgrüne Feuerpalmenblatt langsam emporsteigt bis in den Himmel hinauf und dann oben umkippt und wie eine große, grüne, segnende Blatthand sich langsam auf den schwarzen Spiegel legt — da stieben die violetten Glocken hastig nach allen Seiten.
Wie hernach das grüne Feuerblatt still wie ein Wasserrosenblatt auf dem Wasser daliegt — bleiben auch alle Glok—ken stille stehen.
Und sie scheinen das grüne Blatt mit den züngelnden Spitzen für eine große Insel zu halten.
Drollig steigt nun aus dem Turm ein brennender, citro—nengelber Pilz mit dickem, citronengelbem Kuppeldach wackelnd in den Himmel hinauf.
Eine ganz eigentümliche Flamme!
Und hupp! — mit einemmal springt da aus dem gelben Pilz eine lederbraune Feuerkugel raus — hoch in den Himmel hinein — und dann im großen Bogen ins Wasser hinab — mitten unter die violetten Glockenblumen.
Und hupp! — da springt ein zweiter brauner Feuerball in die dunkle Luft empor — und dann ein dritter — und dann ein vierter — und so fort — immerzu.
Alle braunen Kugeln falleil aufs schwarze Wasser, wo sie sich schaukeln und sich drehen — einige Kugeln falleil in den violetten Kelch der Glockenblumen, allwo sie leise zischen.


Bums! — da stürzt der gelbe Feuerpilz auch vom Turm herunter — die Zwerge schreien »au!« — aber der Pilz kollert den Abhang hinab — Gras und Sträucher versengend.
Zischend rollt der Pilz ins Wasser.
Dort versinkt er.
Nicht aber lange dauert's, und es gibt einen heftigen aufpuffenden Knall: der citronengelbe Pilz stößt mit dem Kopf durch das hellgrüne Feuerpalmenblatt — steht plötzlich mitten im Grünen — wie auf einer Insel — steif da.
Die Zwerge schauen ins Meer und wundern sich wieder über die Wunder dieser Ruinenwelt.
Hier in der Ruinenwelt ist das Meer nicht von Wasser und der Himmel nicht von Luft, die Flammen sind keine Flammen — nur das müde Farbenspiel spöttischer Irrlichter, die sich nie greifen ließen, umgaukelt die alten verfallenen Türme.
Jetzt dreht sich die grüne Lichtinsel auf dem seltsamen schwarzen See und sich selber immer im Kreise herum; nur der gelbe Pilz steht steif und unbeweglich da.
Die violetten Glockenblumen lassen sich nicht von den grünen Schwertern verletzten; sie springen immer über die grünen züngelnden Spitzen rüber, und die braunen Kugeln rollen auf dem schwarzen Meer — rollen auf das grüne Palmenblatt rauf — und rollen da immerfort wie sinnlos herum.
Nur der citronengelbe Pilz steht still.
»Sinnlos!« sagt ein Zwerg.
»Nur für uns sinnlos!« sagt der Klügste.
Und ein Alter spricht bedächtig: »Es sind die Erinne—rungsspiele der vergangenen Zeiten so wirr und kraus wie wüste Träume — wir können nicht folgen.«
Ein anderer ruft dann seufzend: »Unsere >eigene< Vergangenheit spiegelt sich dort unten in der schwarzen See.

Die Vergangenheit der Träumer ist auch so wirr und krau wie das Spiel der Feuerblumen.«
»Und trotzdem träumen wir so lustig weiter bei diesei Feuerblumen.«
So tönt's hell auf den Söllern.
»Ja, hier können wir träumen!«
So tönt's dunkel auf den Türmen.
»Die Blumen sind nur nicht bunt genug«, meint ki chernd ein Spötter.
»Oh, noch viel zu bunt!« ruft da der Kleinste, und er zeigt dabei mit dem Finger auf den großen Turm.
Dort entsteht ein mausgraues Bündel von Kornähren die wachsen mächtig ins Riesenhafte — sie werden imm( größer — recken sich in die Unendlichkeit rein.
Und das sind auch Feuerblumen!
Die mausgrauen Kornähren spiegeln sich drüben am schwarzen Himmel. Doch sie erscheinen dort verkehrt: Das
Korn ist unten — die Halme sind oben.
Ein halb piepsender, halb knatternder Knall — und alles ist wieder stockdunkel.
In der Ferne verdonnert leise das Echo — es verknisterte zuletzt. . .
Die zwölf Zwerge stecken nicht ihre Laternen an. Die
zwölf Zwerge rühren sich nicht; sie können einander nie
mehr sehen — wollen's auch nicht.
Der Himmel ist schwarz und unbeweglich.
Das Meer ist schwarz und unbeweglich.
Und die Zwerge sitzen und träumen — träumen — träumen — träumen . . .

 

MenschMedien   Eckernförde

texte/bilder kaufen und leihen
Letzte Aktualisierung 05.05.09
durch Markus Feuerstack
nospam @ bwveck . net


infotainment
zurück
oben
Übersicht Texte
Übersicht Bilder
fognin

alle fognin projekte

<<-über links/impressum  

 

diese site ist ein fognin projekt www.fognin.org
(c) fognin infotainment Eckernförde

fognin.mtg  fognin.htm robots.htm